Seite - 653 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Bild der Seite - 653 -
Text der Seite - 653 -
Simone und der Friede beschäftigte sich anhand einer Liebesgeschichte mit den österrei-
chischen Besatzungsmächten, wobei stereotype Verhaltensweisen und politische Positi-
onen der vier Mächte parodistisch verarbeitet werden. Nach einer ersten Zensur durch
die Besatzungsmächte konnte das Stück auch in einer entschärften Fassung nicht aufge-
führt werden. Das Verhalten der sowjetischen und amerikanischen Besatzungsmacht in
dieser Causa gilt als erstes Beispiel für deren kulturpolitische Positionierung gegenein-
ander. Der kommunistische Stadtrat Viktor Matejka kritisierte das Verbot zeitgenössi-
scher Stücke von Dramatikern wie Schütz, Ferdinand Bruckner und Konstantin Simonow
in Zusammenhang mit der Wiener Theaterkrise. Simone und der Friede wurde an inter-
nationalen Theatern aufgeführt, u.a. am Staatstheater Karlsruhe (1949/50). In Wien hat-
te es 1951 am Theater der Courage Premiere. In Budapest wurde das Stück nach einigen
Aufführungen verboten.
Quellen:
B.: Wiedereröffnung des Theaters a. d. Wien. In: Reichspost, 3.9.1936, S. 9.
Mounier Joukhadar: Theater der Courage. Geschichte, Intention, Spielplan und Wirkung einer
Wiener Kellerbühne. Univ.-Diss.: Wien 1980.
Viktor Matejka: Verbotene Theaterstücke. In: Österreichischen Tagebuch 3 (1948) H. 2,
9.1.1948, S. 12–13.
Barbara Porpaczy: Frankreich – Österreich, 1945–1960: Kulturpolitik und Identität. Innsbruck,
Wien, Bozen: Studien-Verl. 2002, S. 203–211.
Nachlass Adolf Schütz, Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, ÖLA 123/99.
Adolf Schuetz: Wiedersehen mit Wien. In: Arbeiter Zeitung, 27.7.1947, S. 3.
Oliver Rathkolb: Politische Propaganda der amerikanischen Besatzungsmacht in Österreich 1945
bis 1950. Ein Beitrag zur Geschichte des Kalten Krieges in der Presse-, Kultur- und Rundfunk-
politik. Univ.-Diss.: Wien 1982, S. 406–409.
Zo.: Simone und der Friede. In: Arbeiter-Zeitung, 1.2.1951, S. 5.
Helmut Hermann Schwarz
geboren am 31.5.1928 (Wien), gestorben am 31.10.2009 (Wien), stammte aus einer bür-
gerlichen Wiener Familie, studierte ab 1946 in Wien Theaterwissenschaft, Germanistik
und Anglistik und promovierte 1950. Darauf folgt ein Regiestudium am Konversatorium
der Stadt Wien. 1948 sammelte er Regieerfahrung in dem von ihm mitgegründeten „Stu-
dio junger Schauspieler“. Ebenfalls von ihm mitgegründet und geleitet ist das Wiener
„Theater der 49“ (Bauer, Schwarz 1962), das seinen Betrieb 1949 im Café Dobner auf-
nahm und u.a. Reinhard Federmanns Drama Der Weg zum Frieden aufführte (Huemer
2012, Schmölzer). Neben ersten eigenen Dramen zählen Hans Weigels Stück Barabbas
(Wiener Volksbildungswerk) und Milo Dors Der vergessene Bahnhof (Urania) zu seinen
ersten Regiearbeiten. 1950 war er freier Mitarbeiter bei Radio Wien, 1951 Mitbegründer
und bis 1953 Leiter des „Theater am Parkring“. Ebenfalls 1951 wird er Lektor am Wiener
Burgtheater (Bauer), wo er 1954 Regietätigkeiten übernimmt und bis 1963 tätig bleibt.
Zugleich inszeniert er weiterhin Stücke in Kellertheatern und an anderen in- und aus-
653Autorinnen-
und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918