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ländischen Bühnen. Von 1960 bis1977 ist er Direktor am Reinhardt-Seminar, von 1977
bis 1984 Rektor der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst.
Ab den 1950er-Jahren verfasste er Dramen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen.
1951 trat er dem Vorstand des österreichischen Vereins „Allgemeines Jugendwerk –
Gesellschaft für die Freiheit der Kultur“ bei, dem auch Milo Dor und Reinhard Feder-
mann angehörten. Der Verein wird in der AZ als überparteilich beschrieben, jedoch ist
dessen antisowjetische Ausrichtung durch den Verweis auf den „Kongreß für kulturelle
Freiheit“ klar. (N.N.: Jugend und kulturelle Freiheit) Im gleichen Jahr veröffentlichte
Schwarz ein Gedicht in der Reihe Stimmen der Gegenwart, die von Hans Weigel „im Auf-
trag der Gesellschaft für Freiheit der Kultur“ (Weigel, Stimmen, [S. 3]) herausgegeben
wurde, um jungen österreichischen Autoren und Autorinnen ein Forum zu bieten (Schwarz,
Kind von heute). Weigel nimmt Schwarz 1951 in seine Übersicht zu jungen österreichi-
schen Autoren der Nachkriegszeit auf. (Weigel, Glosse) Heinz Gerstinger zählt ihn 1963
„zu den meistaufgeführten österreichischen Autoren der Gegenwart“ (Gerstinger, S.
10)
und schreibt ihm die Entwicklung eines Dramentyps „dramatisierte“ oder „szenische
Reportage“ (Gerstinger, S.
13 u. 15) zu. Schwarz’ Werk ist zum Teil stark vom Katholizis-
mus geprägt. 1956 (Deutsch-Schreiner, S. 243/Huemer 2013) hatte er mit dem Stück
Arbeiterpriester einen großen Erfolg, das sich mit dem Verhältnis von Kirche und Arbei-
terschaft beschäftigt. 1959 wird Schwarz’ Drama Das Aushängeschild in Graz uraufgeführt,
in dem es um einen Dirigenten geht, der die Intendanz der Ostberliner Staatsoper über-
nimmt, aber von den politischen Machthabern zu Propagandazwecken missbraucht wird.
Die Handlung des 1961 bei den Wiener Festwochen aufgeführten Stücks Die Beförderung
ist in einem totalitär geführten Staat angesiedelt, und thematisiert die Opposition von
verabsolutierter und missbrauchter ‚weltlicher‘ Macht und Religiosität. 1962 wird in Linz
sein gesellschaftskritisches Atomdrama Im Aschenregen uraufgeführt. 1960 verfasst Schwarz
die Einleitung zu den unter dem Titel Rüstet ab! erschienenen Schriften von Bertha von
Suttner, die in der Reihe Das österreichische Wort des Stiasny-Verlags erscheinen. Er ver-
fasst zudem theoretische Schriften zum Theater, u.a. über Max Reinhardt (1973) (Schwarz,
Max Reinhardt). 1957 wird er mit dem Förderungspreis der Stadt Wien ausgezeichnet.
Quellen:
Dolores Maria Bauer: Dramatiker zwischen zwei Schreibtischen. In: Neues Österreich,
28.12.1961, S. 6.
Heinz Gerstinger: Helmut Schwarz. In: Wort in der Zeit 9 (1963) H. 1, S. 9–17.
Andrea Huemer: ‚Niemals nur zuschauen‘. Aufbruch in den Theaterstudios nach 1945. In: gift.
zeitschrift für freies theater (2012) H. 4. http://www.freietheater.at/?page=service&sub-
page=gift&detail=48920&id_text=10 [zuletzt aufgerufen 14.11.2013.]
Dies.: ‚Niemals nur zuschauen‘ – Der Aufbruch der jungen Wiener Theaterszene nach 1945: Wett-
bewerb, Konkurrenz, Establishment. In: gift. zeitschrift für freies theater (2013) H. 1.
http://www.freietheater.at/?page=service&subpage=gift&detail=48921&id_text=15 [zuletzt
aufgerufen 14.11.2013.]
N.N.: Programmheft zur Uraufführung 14.10.1948 – Theaterzettel Der vergessene Bahnhof von
Milo Dor, Szene 48, 14.10.1948 (Österreichisches Theatermuseum) [Zit. nach Huemer 2012.]
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654 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918