Seite - 660 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Brigittastraße erscheint in Fortsetzungen in der Volksstimme und 1955 in einer über-
arbeiteten Fassung als Buch bei Globus. Der Roman erzählt die Geschichte einer Wiener
Arbeiterin, die sich in der Nachkriegszeit als Betriebsrätin engagiert. Wegen schlechter
Verkaufszahlen und der Aufhebung des Ladenpreises kam es bei beiden Romanen zu
Meinungsverschiedenheiten mit dem Globus-Verlag. Auch die Kritik reagierte gespalten:
Während Joseph Strelka den Roman als kommunistische Propaganda ansah, betonte Wil-
helm Tepser im Tagebuch, dass das Buch Mut mache, die Probleme und Aufgaben der
Zeit zu lösen. Wantoch übersetzt 1954 ein theoretisches Werk über China des anglikani-
schen Geistlichen Hewlett Johnson aus dem Englischen, trug zur Anthologie Der Kreis
hat einen Anfang (1954) bei, arbeitet an einer immer wieder verhinderten Geschichte des
österreichischen Widerstandes und verfasst Berichte über Reisen nach Rumänien (1955)
und Polen (1957). 1956 erscheint ihr Gedicht Die Last der Mitschuld im Tagebuch, in
dem sie „Stalinismus und persönliche Rechenschaft“ behandelt. 1957 kritisiert sie Eva
Priesters radikal linke Äußerungen zum Ungarnaufstand. (Wantoch: Wer führt den Klas-
senkampf?) Als Wantoch zudem 1959 in einem Schreiben an die KPÖ-Zeitschrift Weg
und Ziel Kritik an der zeitgenössischen kommunistischen Theorie und Praxis übt, wird
sie als redaktionelle Mitarbeiterin der Volksstimme gekündigt. Bei einer Wanderung
auf der Raxalpe starb sie im selben Jahr unter unklaren Umständen; möglicherweise han-
delte es sich um einen Unfall oder Selbstmord. Die Gebeine wurden am 11.5.1964 auf-
gefunden.
Quellen:
Otto Horn: Susanne Wantoch. In: Die Buchgemeinde 7 (1955) H. 5, Mai, S. 67 f.
Erich Hackl: Abgängig seit 1959. Erster Bericht über die Schriftstellerin Susanne Wantoch. In:
Ders.: Postscriptum. Linz: Trauner 1996, S. 11–26.
Manfred Mugrauer: ‚Die heilige Flamme‘. Über die kommunistische Schriftstellerin Susanne Wan-
toch und eine unveröffentlichte Sammlung von Erzählungen über den österreichischen Wider-
standskampf. In: ‚Die heilige Flamme‘. Über Susanne Wantochs Erzählungen über den österrei-
chischen Widerstandskampf in: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des
Widerstands 24 (2007) H. 3, S. 24–34, hier S. 26.
Joseph Strelka: Das Haus in der Brigittastraße. In: Neue Volksbildung 2 (1955) H. 11.
Wilhelm Tepser: Nachkriegszeit im Spiegel des Romans. Schuld und Sühne von heute. In: Tage-
buch 10 (1955) H. 21, 22.10.1955, S. 8.
Susanne Wantoch: Indienbilder. In: Österreichisches Tagebuch 2 (1947) H. 5, 15.2.1947, S. 7.
Dies.: China, von innen gesehen. In: Österreichisches Tagebuch 2 (1947) H. 14, 19.4.1947,
S. 9 f.
Dies.: Es nimmt Stellung ... Zur Diskussion über den Surrealismus. In: Österreichisches Tage-
buch 2 (1947) H. 18, 17.5.1947, S. 10.
Dies.: Der chinesische Bürgerkrieg. In: Österreichisches Tagebuch 2 (1947) H. 28, 26.7.1947,
S. 11 f.
Dies.: Das andere China. In: Österreichisches Tagebuch 2 (1947) H. 41, 14.11.1947, S. 6 f.
Susanne Wantoch (Red.): 16 Tage im neuen Rumänien. Bericht über die Studienreise einer Gruppe
österreichischer Intellektueller durch die Rumänische Volksrepublik. Hg. v. d. Österreichischen
Intellektuellendelegation in die RVR (1954). Wien: Globus 1955.
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660 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918