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Wechsberg den Reisebericht Journey through the land of eloquent silence (Dt. Land mit
zwei Gesichtern), über einen Besuch in der DDR, der 1964 sowohl auf Englisch als auch
auf Deutsch erschien. 1963 verfasste er einen umfangreichen Artikel zum politischen
Kabarett von Helmut Qualtinger und Carl Merz. 1969 gab er unter dem Titel The Voices
eine Dokumentation über den Widerstand gegen das kommunistische Regime während
des „Prager Frühlings“ heraus. 1970 erschien seine Autobiographie unter dem Titel The
Vienna I knew. Memories of an European Childhood (1979; dt. 1982 als Die Manschetten-
knöpfe meines Vaters). Er wurde mit dem Andreas-Gryphius-Preis (1965) sowie dem
Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (1976) ausgezeichnet.
Quellen:
Harro H. Kühnelt: Joseph Wechsberg – Stationen eines Lebens. In: Mark H. Gelber (Hg.): Von
Franzos zu Canetti: jüdische Autoren aus Österreich. Tübingen: Niemeyer 1996, S. 91–106.
Joseph Wechsberg: A Reporter at Large, Going home I. In: The New Yorker, 16.3.1946, S. 57 f.
Ders.: A Reporter at Large, Going home II. In: The New Yorker, 23.3.1946, S. 48 f.
Ders.: Homecoming. New York: Knopf 1946.
Ders.: Profiles. Enemy of Gemütlichkeit. In: The New Yorker, 20.4.1963, S. 53–77.
Ders.: Land mit zwei Gesichtern. Kreuz und quer durch die Zone. Berlin, Frankfurt/M., Wien:
Ullstein 1964.
Karl Wiesinger
geboren am 13.3.1923 (Linz), gestorben am 10.2.1991 (Linz), stammte aus einem klein-
bürgerlichen Elternhaus und arbeitete nach der Schule als Hilfsarbeiter und Zahntech-
niker. Die Erlebnisse der Februarkämpfe 1934 sowie des „Anschluss“ 1938 verarbeitete
er in seinen späteren Romanen. 1941 wurde Wiesinger in die Wehrmacht eingezogen,
wo er wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Sabotage“ (Böttcher) mehrmals inhaftiert und
einmal auch in erster Instanz zum Tod verurteilt wurde. Im Gefängnis in Wels zog er sich
eine Tuberkulose zu. 1945 trat er der KPÖ bei, 1946 begann er über Vermittlung Arnolt
Bronnens mit journalistischen Arbeiten für die kommunistische Linzer Zeitung Neue
Zeit. Anfang der 1950er-Jahre veröffentlichte er erste literarische Arbeiten, u.a. in der
Anthologie Stimmen der Gegenwart, die von Hans Weigel herausgegeben wurde. Mit Wei-
gel korrespondierte er in den 1950er-Jahren über einige Romanentwürfe. Wiesinger
schrieb Theaterstücke, Hörspiele und Romane, die sich zum Teil mit zeitgenössischen
sozialen und politischen Problemen beschäftigen. Unter dem Pseudnoym Frank I. Noel
publiziert er 1951 mehrere Spionageromane im unbekannten österreichischen Berghei-
matverlag, darunter Achtung Atomspione und Grasill der Spürhund. Zudem war er in der
Linzer Kulturszene aktiv, die in der amerikanischen Besatzungszone angesiedelt war. So
gründete er 1950 den „Klub der Todnahen“ und engagierte sich 1953 in der Organisati-
on des Linzer Kellertheaters. Er pflegte aber auch engen Kontakt mit dem kommunisti-
schen Autor Franz Kain, der ihn wegen seiner inkonsequenten politischen Haltung kri-
tisierte. Obwohl zahlreiche Theaterstücke von Wiesinger in Linz und Wien zur
Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
662 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918