Seite - 663 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Bild der Seite - 663 -
Text der Seite - 663 -
Aufführung kamen, sah er sich selbst als Autor, der wegen seiner kommunistischen Ori-
entierung vom österreichischen Kulturbetrieb ausgeschlossen wurde. Er unternahm
1961–1975 Reisen nach Moskau, Prag und in die DDR (Schnalzer-Beiglböck, S. 259 f.).
1958 schloss er seine Ausbildung zum Dentisten ab. Anfang der 1970er-Jahre veröffent-
lichte er unter dem Pseudonym Max Maetz literarische Texte. Der Erfolg des erfundenen
Autors in Österreich bestätigte seine Einschätzung, dass er hier nur wegen seiner politi-
schen Haltung keine Anerkennung finde. Wiesingers Romane erschienen in westdeut-
schen und ostdeutschen Verlagen. Auch für seinen Roman Der rosarote Straßenterror
fand er in Österreich keinen Verlag, Teilabdrucke erschienen in der Zeitschrift wespen-
nest und dem KPÖ-Organ Weg und Ziel. 1974 wurde der Roman im Berliner Ober-
baumverlag publiziert. Er beschäftigt sich mit dem Oktoberstreik 1950 in Österreich, der
von politischer Seite als kommunistischer Putschversuch dargestellt wurde. Wegen der
im Buch formulierten Kritik am Verhalten der österreichischen Sozialdemokratie hat der
ehemalige sozialdemokratische Innenminister Franz Olah, der 1950 als Vorsitzender der
Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter am Niederringen des Streiks prominent betei-
ligt war, gerichtlich ein Auslieferungsverbot für das Buch erwirkt, das nach dem Ende
des von ihm angestrengten Prozesses wieder aufgehoben wurde. Wiesinger bekam 1964
und 1968 den Theodor-Körner-Preis, 1981 wurde ihm der Berufstitel Professor verlie-
hen. Er erhielt das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs.
Quellen:
Kurt Böttcher (Hg.): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller. Von den Anfängen bis zur Gegen-
wart. [Begr. von Günter Albrecht.] Bd.
2, 20.
Jahrhundert. Hildesheim [u.a.]: Olms 1993, S.
817.
Helmut Neundlinger: Karl Wiesinger (13.3.1923–10.2.1991). In: Karl Wiesinger: Achtunddreißig.
Wien: Promedia 2011, S. 363 f., hier S. 363.
F[ranz]. K[ain].: Die Wurzellosigkeit auf der Bühne. In: Neue Zeit und Salzburger Tagblatt
[Linz], 22.11.1951, S. 3.
Briefe und Postkarten von Karl Wiesinger an Hans Weigel. In: Wienbibliothek: Nachlass Hans Wei-
gel, Archivbox 38.
[Karl Wiesinger:] Auszug aus dem Roman über den Oktoberstreik. In: Weg und Ziel 33 (1975)
Nr. 11, November, S. 483–489. [Anfang des dritten Teils abgedruckt]
Karl Wiesinger: Der rosarote Straßenterror, Ausz. In: wespennest. Zeitschrift für brauchbare
Texte (1974) H. 14, S. 55–65.
Walter Wippersberg: Ausgegrenzt, totgeschwiegen und diffamiert? Franz Kain, Karl Wiesinger und
die Linzer Literaturszene in der Nachkriegszeit. In: Alfred Pittertschatscher, Erich Hackl (Hg.):
Linz. Randgeschichten. Wien: Picus 2009, S. 67–115. 663Autorinnen-
und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918