Seite - 109 - in Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918 - Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
Bild der Seite - 109 -
Text der Seite - 109 -
VorwürfewegenBenachteiligung 109
vatbriefes oder, wenn es möglich war, mündlich angefragt, ob er damit einverstan-
denwäre.DasgaltnichtindenerstenJahrenderAnstellung.Mancherwurdeauch
mit Versprechungen auf ein Balkankonsulat gelockt, die nicht immer voll einge-
haltenwurden.
Das Wohlwollen aristokratischer Gönner verschaffte auch geborenen Aristo-
kratenimdiplomatischenDienstinderAnfangsphasekeineKarrieresprünge.Ver-
einzelt fühlten sich Aristokraten266 gegenüber sehr begabten Vertretern aus der
Bürgerschicht vom Ministerium zurückgesetzt. Bürgerliche schafften über den
KonsulardienstrelativleichtdenAufstiegindieAristokratie.DiemeistenKonsuln
wurden Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse. Nach dieser persönli-
chen Auszeichnung konnten sie um Aufnahme in den Ritterstand ansuchen. Der
Eiserne-Krone-Orden II. Klasse gab sogar Anspruch auf den Freiherrnstand.267 In
EinzelfällenkonnteeinBürgerlichersogarbiszumGrafenaufsteigen.268
4.11 VorwürfewegenBenachteiligung
4.11.1 GegendasAußenministerium
KlagenüberschlechteBezahlungimVergleichmitdeutschen,englischen,französi-
schen oder russischen Funktionären nden sich im 19. Jahrhundert immer wieder
in den Personalakten. Vereinzelt gab es Klagen über die geringere soziale Stellung.
Ein italienischer Konsul war hoffähig und rangierte nach dem königlichen De-
kret vom 19. April 1868 Nr.4349 bei Hof unmittelbar nach den Legationsräten
und vor den Oberstleutnants und Fregattenkapitänen. Der österreichische Kon-
sulhatdiesesRechtnicht.DeritalienischeFunktionärwarinseinerAmtsfunktion
vollkommen selbständig. Er schrieb direkt an den Minister und erhielt von die-
sem direkte Weisungen. In Österreich-Ungarn wurde der Konsul bevormundet.
Er kann z.B. keine Wohnung und Kanzlei aufnehmen, ja selbst keinen Vorschlag
bezüglich der Anstellung eines untergeordneten Beamten erstatten, ohne dass die
Gesandtschaft seitens des Ministeriums um die Gutheißung seiner Vorschläge ge-
betenwerde.ErberichtetmeistensdirektandashoheMinisterium,erhältdagegen
die Antwort sehr oft durch die Gesandtschaft, trotzdem diesbezüglich keine Vor-
266 Vgl.Pe.Budisavljevic´VladimirEdlervonPredor(Prijedor)ARF4/42.
267 Frank-Döfering, S.644. Z.B.: Julius Zwiedinek: erblicher Ritterstand, Sept. 1875;
Frhr. von Südenhorst, Juni 1880; AR F 4/395. Rudolph Borowicka, Ritterstand Sept. 1875;
Freiherrnstand,Dez.1882;ARF4/34.
268 Calice, Heinrich (1831 1912): Orden der Eisernen Krone III. Kl., 28. Juli 1868; Ritter des
Ordens der Eisernen Krone II. Kl., 7. Febr. 1873; Baron, 3. März 1873; Graf, AE v. 22. Sept.
1906,ARF4/45.Burián,Stephan(1851 1922).AntonProkesch(vonOsten)(1795 1876)
stiegüber eineMilitär- u.Diplomatenkarrierevom Bürgertumbis in denGrafenstand (1871)
auf.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918