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6 Kontrolle
6.1 GeheimeBeurteilung
1781 wurden die bei der Armee bereits bewährten Konduitlisten bei den Zivil-
beamten eingeführt. Es waren dies tabellarische Aufstellungen über die Beamten,
in denen Stand, Besoldung, Fähigkeiten, Verwendung, Dienstalter, Fleiß, Kennt-
nisse,AmtsverrichtungenundsittlichesBetragenberücksichtigtwurden.Diedabei
vorgenommenen Reihungen waren entscheidende Hilfen bei Beförderungen. Das
dabei eingeführte Prinzip, dass der Dienstälteste bei Beförderung Vorrang haben
sollte,giltimAllgemeinenauchheutenoch.DaKaiserJosephII.durchGesetzvom
20. Juni 1782 zur Abstellung von Übergriffen durch Beamte zu geheimen Anzei-
gen mit Aussicht auf Belohnung ermunterte und solche Anschuldigungen in die
Beurteilung aufgenommen werden konnten, waren die Listen sehr verhasst. Beim
Militär wurde dem Beurteilten der Inhalt der Beurteilung bekannt gegeben. Beim
BeamtenbliebsiefürdenBetroffeneneinGeheimnis.302NachdemTodJosephsII.
1790 abgeschafft, wurden die Konduitlisten 1799 und 1803 wieder eingeführt.303
GesucheuntergeordneterBeamtermusstenbeimunmittelbarenVorgesetztenein-
gereicht werden. Dieser sandte dasselbe mit seiner Stellungnahme weiter.
Wenn
voneinemBeamteninderConduitlistegesagtwurde,seineDienstleistungsei gut,`
sowarerschonvonderBeförderungausgeschlossen. ÄhnlicheWirkungerzielten
Vorgesetzte durch Beurteilungen wie: dieser war kränklich, jener ohne theoreti-
sche Bildung, ein dritter unterhielt einen Umgang mit verdächtigen oder ganz ge-
meinen Personen , jammerte Beidtel,304 der gerne Ministerialrat im Justiz- oder
Unterrichtsministerium geworden wäre. Ähnliche Formulierungen nden sich in
denPersonalaktenderKonsuln.DurchBetonungdesAmtsgeheimnisseswaresBe-
troffenen kaum möglich, gegen eine wenig günstige Dienstbeschreibung Stellung
zu nehmen. Untergeordnete versuchten daher, den Vorgesetzten durch Schmei-
cheleien und Kriechertum für sich zu gewinnen. Von seiner Dienstbeschreibung
hingdieBeförderungab.
Dieser Geist der Schmeichelei und Kriecherei nahm nach Beidtel von den un-
tersten bis in die obersten Stellen überhand.305 Manchmal erhielten Vorstände
aus der Zentralstelle Winke, wie sie die Dienstleistung dieses oder jenes Beamten
anzusehen hatten.306 Unter Kaiser Franz Joseph war es üblich, dass Diplomaten
undKonsuln,dieinÖsterreichUrlaubmachten, imMinisteriumihreAufwartung
302 BeidtelBd.I,S.197 200.Konduite=veraltet fürFührung,Betragen.
303 Heindl,S.26f.
304 BeidtelBd.II,S.43.
305 BeidtelBd.I,S.198.
306 BeidtelBd.II,S.44.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918