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KritikundWiderspruchwarenselten 123
reichte, suchtenacheinerMöglichkeit,denpersönlichenKontaktmitStudienkol-
legen,ehemaligenAmtskollegen,ReferentendesAußenministeriumszup egen.
6.5 KritikundWiderspruchwarenselten
Nachdem der leicht erregbare Konsulatskanzler des österreichischen Generalkon-
sulates in Sarajevo, Stefenelli, während der Urlaubsvertretung von Oberstleutnant
Jovanovic´ 1863 eine Auseinandersetzung mit dem französischen Vertreter hatte,
die erst durch die Botschaften in Konstantinopel beigelegt werden konnte, ge-
nügte dem Oberstleutnant am 29. Febr. 1864 eine Widerrede, um Stefenelli vom
Dienst zu suspendieren. Da mit Suspension gleichzeitig jede Zahlung eingestellt
wurde,verlangtedasAußenministeriumam7.AprilbeschleunigteVorlagederBe-
richte darüber aus Konstantinopel in Abschriften. Diese wurden dem Beschuldig-
ten zur Stellungnahme vorgelegt. Unregelmäßigkeiten in der Kassagebahrung des
Amtschefs waren der Anlass. Die Disziplinarkommission sprach Stefenelli Mitte
Juli 1864 einen strengen Verweis aus und stellte eine Weiterverwendung an einem
anderen Ort in Aussicht.307 Beim Studium dieses Vorfalles bemerkt man, dass Jo-
vanovic´ erstaunt war, dass man seine Entscheidung hinterfragte, seine Darstellung
nichtalsgültigenBeweisanerkannte,StefenelliGelegenheitzurStellungnahmegab
unddieUmständeamtlichuntersuchtwurden.
Bei Holzinger dürfte mangelnde Unterwür gkeit Ursache dafür gewesen sein,
dass er zehn Jahre (1873 1883) VK war, obwohl er bereits seit Oktober 1878 das
Generalkonsulat in Sarajewo leitete. Am 7. Juli 1879 kritisierte er in einer schrift-
lichen Stellungnahme an das Ministerium, dass man das Generalkonsulat nicht
durch Abberufung von Beamten und Einstellung der Bezüge auflösen könne, son-
dern zuerst die Funktionen reduziert werden müssten, dann könne Personal abge-
baut werden. Im Ministerium war man wegen dieser Belehrung empört. Noch
kein Funktionär hat es gewagt, in diesem Tone zu schreiben (Randbemerkung
einesReferenten).308 AlsderKonsulareleveArminGf.WassausGesundheitsrück-
sichten um Urlaub für Juli und August 1879 ansuchte und der Amtsleiter des
Konsulates Belgrad diesen aus Personalmangel nicht befürwortete, lehnte das Mi-
nisterium das Urlaubsgesuch ab. Daraufhin ersuchte der Eleve im Juni 1879 um
seine Entlassung. Die Mutter des Eleven war entsetzt und wandte sich an seinen
Chef in Belgrad, Frhr. v. Herbert, um einen Weiterverbleib des Sohnes im Staats-
dienst zu erreichen. Jenem gelang es, vom Ministerium unbezahlten Krankenur-
laub für Juli und August 1879 zu erwirken, der durch ärztliche Bestätigungen bis
307 ARF4/327,328.
308 AR F 8/56 (Bosnien-Herzegowina, Sarajewo). Ende Juli bis Ende Sept. 1878 hat Österreich-
Ungarn im Auftrag des Berliner Kongresses die türkischen Provinzen Bosnien-Herzegowina
militärischbesetztu.verwaltet.Vgl.dazuDeusch1970,S.18f.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918