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148 SozialeundhumaneAspekte
8.3 DienstanentlegenenOrtenundgesellschaftlicheIsolierung
Die Vorschrift, Urlaubsansuchen nur schriftlich zu stellen, konnte manchen Kon-
sul in Schwierigkeiten bringen. Ein mehrere Wochen dauernder Transport für
schriftlicheNachrichtenkonntefürdenFunktionärverheerendeFolgenhaben.
Der durch tropische Malaria sehr geschwächte Konsul Rappaport benötigte
dringend Krankenurlaub. Er vertraute im Juli 1903 seinem Freund Winter an,
dassseinUrlaubsgesuchausBagdadaufdemvorgeschriebenenDienstwegüberdie
Botschaft inKonstantinopelmehralseinenMonatbenötige,uminsAußenminis-
teriumnachWienzugelangen.DieSucheundVerständigungeinesErsatzmannes,
der vielleicht auf einem entfernten Posten weile und vor seiner Entsendung bil-
ligerweise zur Besorgung seiner Angelegenheiten eine Frist verlange, könne 1 2
Monate erfordern. Die Reise nach Bagdad einschließlich der Quarantänen dauere
auch zwei Monate. Zwischen notwendigem Urlaubsantritt und der tatsächlichen
Abreise könnten also fünf Monate vergehen.351 Durch Intervention seines Freun-
desinWienerhielterEndeJulidieErlaubnis,telegra schüberKonstantinopelden
UrlaubzubeantragenundeinendortigenKonsulinterimistischmitderVertretung
zubetrauen.Am5.SeptemberkonnteerBagdadRichtungBombayverlassen,woer
am26.Septembereintraf.SeingenehmigterfünfmonatigerKrankenurlaubbegann
erstmitErreichungderösterreichischenGrenzeunddauertebisEndeApril1904.
Mancher Konsul wurde an einsamen Orten der Levante zum Sonderling.352 In
TuniswardieIsolierungbesondersgroß.DiestaatstragendenmuslimischenKreise
beschränkten die Kontakte zu den Konsuln auf of zielle Anlässe. Österreich-Un-
garn hatte in Tunis kaum wirtschaftliche Interessen. Es war ein politischer Beob-
achtungsposten. Die nachfolgende Äußerung eines Generalkonsuls, der für seine
Tochter geeignete Heiratskandidaten vermisste, wird verständlich. Nebstbei ist
Tunisgesellschaftlichganztrostlos, sodassmeineFrauundältereTochter ihreTage
wie im Exil verbringen , schrieb Alfons v. Pereira-Arnstein an Außenminister Gf.
Go uchowski ineinemPrivatbrief1899.353
351 PrivatbriefRappaportsanKonsulWinter inWien,Bagdad,2. Juli1903.ARF4/280.
352 Schwan, S.43: Im Hof des Generalkonsulates Saloniki befand sich ein niedrig ummauer-
tes, von Trauerweiden umhangenes Wasserbecken mit einem kümmerlichen Springbrunnen;
darinverbrachtedersommerlicheAmtsverwesergerndieheißenStundendesTages;vondort
aus traf er seine Anordnungen, dorthin wurden die Parteien geführt, die ihn zu sprechen
wünschten.
353 Privatbriefv.AlfonsPereira-ArnsteinanGf.Go uchowski,Tunis,18.April1899.ARF4/252.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918