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152 SozialeundhumaneAspekte
8.5 Konsulararzt373
DieGewinnungeinesArztes,demderKonsulatsleitertrauenkonnte, lagabGrün-
dung eines Amtes im Interesse der Monarchie. Die Ernennung erfolgte durch den
Konsul. IndenachtzigerJahrendes19.Jahrhundertsbeanspruchtedask.u.k.Au-
ßenministerium ein Genehmigungsrecht. Der Erwählte durfte sich Konsulararzt
nennenundhatteMilitärp ichtigezuuntersuchensowiedenAmtsleiterundseine
BeamtenbeiKrankheitzubehandeln.DafürbekamerpauschaleinekleineJahres-
entschädigung374 oder er arbeitete gratis für diesen Titel,375 der gesellschaftliches
PrestigeundAuszeichnungenbringenkonnte.376
8.6 ZumVerhältnisadeligerundbürgerlicherKonsulatsbediensteter
Das Verhältnis des Adels zu Untergebenen war von einer heute kaum noch vor-
stellbaren Distanz bestimmt. Der Verkehr vollzog sich wie zwischen Lebewesen
verschiedener Arten. Zur Welt des Bürgertums fand man kaum ein richtiges, je-
denfallskeingesellschaftlichesVerhältnis.InPraggabeseine zweiteGesellschaft
.
SiebestandausMilitär-undBeamtenadel, IndustrieleutenundführendenKreisen
der Intelligenz und des Kulturlebens. Man nahm sie politisch zur Kenntnis, saß in
allerlei Ausschüssen, kulturellen Organisationen und Wohltätigkeitsveranstaltun-
genmit ihrbeisammen,abergesellschaftlichgabeskaumVerbindungen.377
373 ARF8/310Generalia1880 1918.IndiesemBestand ndensichalleBeispiele,die indiesem
Unterkapitelangeführtwerden.
374 1912wurdedasJahreshonorardesKonsulararztesinVlorëauf200Francserhöht,vorherhatte
derselbe 20 Jahre lang nur 100 Francs bekommen. Dafür hatte er den Amtschef samt Familie
und Gesinde sowie die beiden Kawassen samt Familie behandelt, obwohl er allein durch Ma-
lariaerkrankungen häu g das Konsulat besuchen musste. Nach der Erhöhung wurden sogar
die k.u.k. Honorarbeamten unentgeltlich behandelt. In Amsterdam bekam der k.u.k. Kon-
sularzt1917beiamtsärztlichenUntersuchungen2holländischeGuldenproUntersuchungals
vereinbartesHonorar.
375 1893 wurde Dr. Joseph Pollak in Alexandrien als unbesoldeter Konsulararzt feierlich ange-
lobt. Ernennungen zum Konsulararzt in Alexandrien erfolgten seit den achtziger Jahren des
19. Jahrhunderts. In dieser Eigenschaft musste er neben den ärztlichen Verp ichtungen alle
zwei Wochen einen Bericht über die sanitären Verhältnisse Ägyptens verfassen. In Alexan-
drien existierte ein gut dotierter Posten eines k.u.k. Sanitätsdelegierten beim internationalen
Sanitäts- u. Quarantänekonseil für Ägypten, für den man sich auf diese Weise empfehlen
konnte.
376 1886 schlug der k.u.k. Konsul in Edirne den Konsulararzt Dr. Constantin Zupan, der nach
20 Jahren wegen Kränklichkeit diesen Titel zurücklegte, für einen Orden vor, weil er in der
Vergangenheit arme Österreicher unentgeltlich behandelt und sie aus eigener Apotheke mit
Medikamentenversorgthatte.
377 Siegert,S.7.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918