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Biogra en 285
GerentinNi vom22.Julibis21.Sept.1908;VK,1.Dez.1908;nachMailandver-
setzt, 23. Sept. 1910; dem Generalkonsulat in Hamburg zugeteilt, 13. Juni 1912;
Konsul, 13. Aug. 1915; Kriegskreuz für Zivilverdienste II. Klasse, 31. Aug. 1916;
wurde1919nochimPersonalstandvonHamburgangeführt.
Quali kationsbericht vom Generalkonsulat Hamburg vom 18. März 1917,
streng vertraulich: Obwohl auch genügend juristisch vorgebildet, ist er von wei-
chem Charakter und geneigt, stets Jedermann volles Vertrauen entgegen zu brin-
gen. Er hat weder gegen sich selbst noch gegen Andere genügend strenge Auffas-
sungundstündezubefürchten,dasseralsselbständigerAmtschefgarzuleichtsich
beein ussenlassenkönnte.
Soviel ich beurteilen kann, ist er viel ernster geworden und hat eine viel hö-
here Auffassung von seinen P ichten als in früherer Zeit. Immerhin neigt er noch
immer zur Bequemlichkeit und verliert sich trotz allen guten Willens bei der Be-
wältigung grösserer ihm übertragener Arbeiten in kleinliche Details, wodurch er
unverhältnismässigvielZeitvergeudet.
ImmündlichenundschriftlichenAusdruckistHerrv.Ghikasehrgewandtund
dabeialsBeherrschersämtlichermodernerSprachen,wieDeutsch,Englisch,Fran-
zösisch, Italienisch, Ungarisch, nebstbei auch Serbo-Kroatisch und etwas Russisch
auchindieserHinsichtsehrverwendbar.
Seine schwache Seite ist das Rechnungswesen und ebenso wie er für sich per-
sönlich nicht zu budgetieren versteht, weshalb er als jüngerer Beamte oft in Geld-
verlegenheitgeratenseinsoll,wasgegenwärtig jedoch,sovielmirbekanntist,nicht
mehr der Fall ist, so fehlt ihm die nötige Auffassungsgabe für das amtliche Rech-
nungswesen.
Auch dieser Mangel wird sich bei ihm, wenn er einstens zur Leitung eines selb-
ständigenAmtesberufenwerdensollte,manchmalunangenehmfühlbarmachen.
Während Ghika durch seine gute Erziehung und die vielen verwandtschaftli-
chen Beziehungen zu vielen hochangesehenen alten Familien gesellschaftlich als
ganz erstklassig bezeichnet werden kann, führt er doch, wenigstens hier, ein sehr
ruhiges und bescheidenes Leben, ist in jeder Beziehung mässig und leidet nur an
einem förmlich krankhaften Hang spät ins Amt zu kommen, sodass er in dieser
Hinsichtsehroftermahntwerdenmuss.
Allerdings muss ihm zu Gute gehalten werden, dass er kränklich und hypo-
chondrischveranlagt ist,waswohleinemRuhranfallezuzuschreibenist,denervor
JahrenerlittenhabensollundandessenFolgenerfortgesetzt laboriert.
In politischer Hinsicht ist er ein liberal denkender keineswegs chauvinistischer
abertrotzdemguterungarischerPatriot,derinsehrtaktvollerWeisedieRespektie-
rungallerungarischenstaatsrechtlichenEigentümlichkeitendurchzusetzenweiss.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918