Seite - 314 - in Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918 - Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
Bild der Seite - 314 -
Text der Seite - 314 -
314 DieKonsuln
2. Bemerkungen über die Hebel des österreichischen Ein usses in der Euro-
päischenTürkei 642. Inhalt:DasKaiserreichÖsterreichweistnationalökonomisch
einenentwickeltenWestteilmitmodernerVerkehrserschließungundeinenunter-
entwickelten Osten auf, der nur durch die Donau eine Verbindungslinie mit dem
Schwarzen Meer eröffnet. Solange die südlichen Verkehrslinien des Kaiserstaates
nicht über die eigenen Staatsgrenzen bis ans Schwarze und zum Ägäischen Meer
geführtwerden, istdieallseitigeEntwicklungdermateriellenInteressendiesesTei-
les unmöglich. Am wichtigsten ist die Verbindung mit Saloniki. Die Bahnlinie
Saloniki-Calais würde nach ihrer Fertigstellung einerseits Österreich wirtschaft-
lich nützen, andererseits die Antipathien der Griechisch-Orthodoxen gegenüber
der katholischen Nachbarmacht durch Verbesserung ihrer materiellen Interessen
schwächen.BeiDurchstechungderLandengevonSuezwürdediekünftigeHaupt-
arteriedeseuropäischenWeltverkehrsnochanBedeutunggewinnen.DerRangder
Linie Saloniki Calais ist durch Italiens Anstrengungen gefährdet: eine Bahnlinie
von Ancona soll zum Hafen des englisch-indischen Postverkehrs werden. Sie wer-
dendieserreichen,sobaldentwederdieBrenner-oderdieMontCenis-Bahnfrüher
vollendetistalsdieSaloniker.Siearbeitenbereitsdaran,OtrantoandasEisenbahn-
netz anzuschließen. Nach dem Anschluss desselben, müsste die Bahn von Saloniki
nach Piräus verlängert werden, um Österreich jene Weltstraße für alle Zeiten zu
sichern.
Bahnlinien nützen Angreifern und Verteidigern. Österreich bekäme dadurch
gegenüberdenSeemächtenaufderBalkanhalbinselentschiedeneVorteile.
Von einer Propaganda unter Orthodoxen versprach sich Hahn wenig. Die ka-
tholische Bevölkerung bietet bei richtiger Behandlung einen schwachen, doch si-
cherenStützpunktfürösterreichischenEin uss.Dahermussauchvompolitischen
Standpunkt jedeStärkungdiesesElementesbegrüßtwerden.Hahnwünschtevom
katholischen
Verein der unbe eckten Empfängnis Mariae mehr Aktivität, die
vomKlerus,derStaatsgewaltundderpatriotischenPresseunterstütztzueinerwe-
sentlichösterreichischenAngelegenheitgemachtwerden.
Während seiner Dienstzeit hat Hahn vergeblich versucht, das Wiener Außenminis-
terium zu einer großzügigen Balkanpolitik zu bewegen, deren Instrument der österr.
Levantehandelseinsollte.MitzahlreichenVorschlägensuchteerdasBahn-undSchif-
fahrtsnetz Südosteuropas zu verbessern. Indessen wurden seine Vorschläge (Bahnbau
vonBelgradnachSaloniki,DurchstechungdesIsthmusvonKorinth)erstnachseinem
Todeverwirklicht.H.swissenschaftlicheBedeutungliegtinderallseitigenErforschung
Albaniens, das er auf drei Reisen sehr gut kennenlernte. Er verfaßte die erste wissen-
schaftliche Grammatik des Albanischen, ein reichhaltiges Wörterbuch und bis heute
wertvolleNotizenzurGeographie,Archäologie,GeschichteundVolkskundedesLan-
des. Außerdem sammelte er griech. und alban. Märchen und entwarf ein System der
642 PA XVIII,KonsulatSyra, fol.25 27;abgedrucktbeiGrimm,S.341 344.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918