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Biogra en 353
Okt. 1845 war er deshalb sogar in Konstantinopel) gelang es Huber, die in Bulga-
riensichaufhaltendenSiebenbürgischenSchafhirten(Mokanen)vorErpressungen
zu bewahren und deren Zustände zu sichern; er förderte den Absatz siebenbürgi-
scher Industrieerzeugnisse, schützte erfolgreich katholische Kirchen und Gemein-
den in Bulgarien, was von Rom 1847 anerkannt wurde. Mit AE vom 28. Nov.
1849 zum GK in Alexandrien ernannt, DA am 5. März 1850; bald nach Hu-
bers Eintreffen gab es Streit mit dem französischen Konsul wegen des Anrechtes
auf die Kirchenehren in der St. Katharinenkirche von Alexandrien, die haupt-
sächlich mit Geld aus Österreich erbaut wurde; Frankreich setzte sich durch, weil
Huber nicht von seinen vorgesetzten Stellen unterstützt wurde. GK I. Klasse mit
dem Titel und Rang eines k.k. Ministerialrates, AE v. 11. Juni 1851; Ritter des
Franz-Joseph-Ordens; Huber errang das volle Vertrauen und die Freundschaft des
Vizekönigs von Ägypten, Abbas Pascha (1848 1854), dadurch konnte er für ös-
terreichische Handelsleute eine Reihe von Konzessionen erwirken, die vorher nur
Engländern und Franzosen vorbehalten waren; ab Mitte Jänner 1854 war er für
die Dauer des Krimkrieges auch Vertreter russischer Interessen in Alexandrien;
unternahm im Jänner 1854 eine siebzehntägige Reise nach Oberägypten; mit AE
v. 11. Dez. 1854 wurde die jüdische Gemeinde Alexandriens unter österreichi-
schen Schutz gestellt; Huber sammelte ägyptische Antiquitäten, griechische und
römische Münzen und betrieb archäologische Forschungen. Wegen seiner ägyp-
tenfreundlichen (= antitürkischen) Haltung hielt ihn Internuntius Prokesch für
den Posten in Konstantinopel nicht mehr geeignet; mit AE vom 15. Dez. 1858 in
den bleibenden Ruhestand versetzt; die Pensionierung erfolgte für Huber über-
raschend; er war wenige Wochen vorher auf Urlaub in Wien und es wurde im
Außenministerium nichts dergleichen erwähnt. Huber verließ am 18. Mai 1859
Alexandrien Richtung Triest. Mit Erlass vom 22. Nov. 1858 wurde Schreiner be-
reits zum Nachfolger Hubers ernannt. Nachfolger Schreiner fand die Stellung des
k.u.k.Generalkonsulates inAlexandriendurchHuberherabgewürdigt.Dieöster-
reichischen Nationalen fühlten sich nicht energisch vertreten; der Vizekönig Said
Pascha (1854 1863) war zum Teil aus verletztem Stolz gegen ihn eingestellt, weil
Huber mit dem Vorgänger Abbas Pascha auf vertrautem Fuß stand und ihn wenig
beachtete.
HerrHuberhatvonseinerneunjährigenAmtsführungpersönlichwenigNut-
zen gezogen. Er verläßt Egypten arm, sein einziges Vermögen besteht in einer sehr
schönen Antiquitäten- und Münzen-Sammlung, die er nun zu verkaufen genö-
thiget ist. Dennoch ist sein Ruf nicht makellos, kleinliche Schmutzereien haben
ihm denselben mehr verdorben, als wenn er dem Beispiele so mancher seiner Col-
legen folgend auf große Beute ausgegangen wäre. Die Fehler seines Charakters,
welche mit einer Stellung, wie der hiesigen, eben vollkommen unvereinbar sind,
sindeintaktloses,zuweilenlächerlichesBenehmen,maßloseRohheitgegenUnter-
geordnete, Kriecherei gegen Höherstehende, eine Manie ernste Gegenstände mit
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918