Seite - 418 - in Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918 - Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
Bild der Seite - 418 -
Text der Seite - 418 -
418 DieKonsuln
ins.812 Im Rahmen eines Heimaturlaubs musste sich Laurin in Wien einer Unter-
suchung stellen; dazu verließ L. Alexandrien am 9. Okt 1844. Im Frühjahr 1845
kehrte er nach Ägypten zurück, wogegen die ägyptische Regierung protestierte.
Am 14. Juni 1845 entschied Wien, daß es weder mit der Würde des k.k. Hofes,
nochmitderEhredesGubernial-RathesLaurinvereinbarlichwäre,demVerlangen
desStatthaltersvonÄgyptenzuentsprechen 813.
Laurin war in Ägypten zunächst Sammler von Antiquitäten, später auch Aus-
gräber in Alexandrien, Sakkara und Gizeh. Er vermachte einen Teil seiner Erwer-
bungen den kaiserlichen Sammlungen (heute Kunsthistorisches Museum) und
dem Landesmuseum von Krain. Als Anerkennung für die Einsendung von ver-
schiedenen Antiken erhielt er einen Brillantchiffrering des Kaisers mit Dekret
v. 22. Juni 1846 verliehen. Als Dank für die dem Antikenkabinett gespendeten
ägyptischen und hellenistischen Altertümer erhielt er mit Weisung vom 3. Aug.
1847 vom Kaiser eine Dose, die mit dem Namenszug des Kaisers geziert war; Lau-
rin hatte sich stattdessen den Leopold-Orden erhofft. 1847 schlug Laurin vor, der
StadtTriesteinenderAlexandrinerObelisken,die NadelnderKleopatra , fürdie
im Entstehen begriffene Piazza Grande zu schenken, was aber an den enormen
Frachtkosten scheiterte, die Triest nicht in der Lage war, zu übernehmen. Aller
Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um den Obelisken, der 1881 nach New
YorkgebrachtundimCentralParkaufgestelltwurde.
Durch AE v. 11. Okt. 1849 wurde Laurin zum k.k. Agenten und GK in Bu-
karest mit dem Titel eines Ministerialrates ernannt. Die Pforte erkannte ihn An-
fang Dez. 1849 in seiner neuen Eigenschaft an, DA Jänner 1850. Im Aug. 1853
wurden massive Beschwerden gegen Laurin erhoben (Begünstigung von Verbre-
chern, Bestechung, Lügen, verschiedene Formen der Bereicherung), die von mi-
litärischen Kundschaftern Österreichs als glaubwürdig bezeichnet wurden. Infol-
gedessen wurde Laurin als Ministerialrat mit AE vom 7. Okt. 1853 pensioniert.
Gleichzeitig wurden unter Berücksichtigung seiner langjährigen Dienstleistung
812 Der österreichische Untertan Eduard Nascimbeni lebte seit 1824 in Ägypten; er hatte als
Vertrauter und Privatsekretär des 1844 verstorbenen Boghos Bey 60 Millionen Taler bei
Handelsspekulationen verloren, angeblich mit Wissen von Boghos Bey. Laurin ermöglichte
Nascimbeni die Ausreise aus Ägypten, was Artin Bey am 16. Juli 1844 zur Beschwerde bei
derStaatskanzleiundzurForderungseinerAbberufungveranlasste.ImumfassendenUntersu-
chungsbericht(Kübeck,9.März1845)wurdedieAngelegenheitmiteinem
Versehen erklärt,
das aus P ichtenkollision entstand, einerseits der Stellung als Zivilrichter nach österreichi-
schem Recht und anderseits der Verp ichtung zum Schutz der österreichischen Untertanen
vor Übergriffen; außerdem sei dieser Nascimbeni ohnedies wieder nach Ägypten zurückge-
kehrt und wäre Laurins Abberufung für die österreichischen Handelsinteressen von großem
Nachteil.
813 DashätteeinenPräzedenzfallabgegeben,dennalle inÄgyptenresidierendenDiplomatenwa-
renja inKonstantinopelakkreditiert!
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918