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Biogra en 521
Pizzamano,Josefvon1003
*1809, Venedig; 22. Juli 1860, Jerusalem, dort auf dem Christlichen Friedhof (bei der
Dormitio)beerdigt;
seit1832imStaatsdienst;1837 1843Kanzleikonzipist;späterVizesekretärdesös-
terreichischen Guberniums in Triest, anschließend in die Allgemeine Hofkammer
inWienberufen,woerbis1847diente;1004 VKinJerusalem,AEv.27.Nov.1847;
nach Zustimmung der Hohen Pforte konnte er erst am 12. Okt. 1848 Konstan-
tinopel Richtung Jerusalem verlassen; als er nach Jerusalem kam (1. März 1849),
durfte er eine Zeit lang gratis beim Preußischen Konsul wohnen. P. war weder mit
seiner Einkommenshöhe noch mit seinem Rang in Jerusalem zufrieden. In einer
Eingabe vom 23. Juli 1851 schrieb er: Die Hauptbestimmung des Vizekonsulates
in Jerusalem sei, die Wahrnehmung der religiös-politischen Interessen Österreichs
imHeiligenLandunddieAutoritätderkatholischenGroß-undSchutzmachtÖs-
terreichsinJerusalemzurGeltungzubringen. DiefranzösischeRepublikhatzwar
das Erbe der allerchristlichen Könige am hl. Grabe dem Namen und dem Schein
nach übernommen; die Liebe, die Hoffnung der Katholiken wendet sich aber in
Palästina wie überall in der Levante Seiner Majestät ... zu, von allerhöchst des-
sen Huld und Gnade die katholischen Institute und Körperschaften moralischen
SchutzundmaterielleUnterstützungzuerwartengewohntsind.Insofernhatauch
der Titel Seiner Majestät als König von Jerusalem seine historische und praktische
Bedeutung.
Mit dieser hervorragenden Stellung Österreichs im hl. Lande steht jedoch die
dortige österreichische Localrepräsentanz in keinem richtigen Verhältnisse. Die
österreichischen Konsularfunktionäre nehmen in der Diensthierarchie einen zu
untergeordnetenRangein,umwiesiesollten,wirkenzukönnen.ImOriente,mehr
wie irgendwo, hängt die Autorität von der äußeren Erscheinung, von dem Deko-
rum, von dem Auftreten ab; die Landesbehörden der Eingeborenen, die fremden
undeigenenAdministrirtenlassensichvondiesenEindrückenin uiren,undmes-
sendarnachihrBenehmeninGeschäftenundimsozialenVerkehreab.
NununterhaltenalleMächteinJerusalemwirklicheKonsuln,Österreichallein
hat einen Vizekonsul dort aufgestellt. Es ist nicht persönliche Eitelkeit, die mich
zu dieser Bemerkung veranlaßt, sondern meine durch eigene Erfahrung bekräf-
tigte Überzeugung, daß der allerhöchste Dienst, sowie die Würde der kaiserlichen
Regierung leidet, wenn bei allen religiösen Feierlichkeiten, bei allen Anlässen der
RepräsentanzderösterreichischeFunkzionär,wegenseinesniedrigenDienstranges
allen übrigen Konsuln den Vortritt lassen und seinen Platz hinter dem Sardini-
schenKonsulnehmenmuß.
1003 ARF4/264;FAPräs.1847/10301;Sauer,S.225;Breycha-Vauthier1981,S.15f,124.
1004 Eliav,S.587.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918