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Biogra en 541
benkeineentsprechendeGenugtuungverschafftwurde:Am2.Nov.1912raubten
serbische Soldaten dem Konsul ein zweijähriges Stutenfohlen edler Abstammung,
dasmindestens600Frcswertwar.DadieserbischenBehördennichtreagierten,er-
setzteWiendiesenSchadenEndeJuli1913;dreiWochenwurdeProchaskadamals
von serbischer Soldateska und Komitadschis beschimpft und bedroht; verwilderte
Soldaten, die als Wache im Konsulat einquartiert wurden, drohten, ihn zu er-
schießen, wenn er das Haus verließe; jeden Abend wurden hinter dem Garten des
Konsulates die tagsüber Verhafteten massakriert. Von der Außenwelt abgeschnit-
ten und bei der andauernden Hetze durch Zeitungen und Flugblätter schwebte
Prochaska in immer größerer Lebensgefahr. Bei seiner Abreise aus Prizren wurde
er wie ein Gefangener mitten durch ein Spalier von Soldaten und einen wüsten
Pöbelhaufen geführt, die unter ärgsten Beschimpfungen gegen die Monarchie und
den Konsul brüllten, man solle ihn umbringen; große Steine, Petroleumkannen
unddgl.wurdenaufdenWagendesKonsulsgeschleudert.1042
Mit der Leitung des Generalkonsulates in Rio de Janeiro betraut, 20. Febr.
1913;Amtam20.Aug.1913übernommenundbiszurSchließungdesösterr.-ung.
Generalkonsulates am 31. März 1920 geleitet; der Geldnachschub aus Österreich
hörteabermitSept.1919auf.
Prochaska wurde tschechischer Staatsbürger, daher war aus Sicht der Republik
Österreich sein aktives Dienstverhältnis mit 3. Nov. 1918 beendet; die Tschechei
weigerte sich aber, die Pension zu zahlen, obwohl sie als Nachfolgestaat dazu ver-
p ichtet war, die Österreicher zahlten auch nicht; am 28. Dez 1922 wollte er
wenigstens die rückständigen Bezüge seit Dez. 1919 bekommen! Noch immer
ohne Bezahlung führte er 1924 in einer Eingabe aus Brünn an, Wien habe noch
im Okt. 1919 von ihm strengste Amtsdisziplin als Amtschef in Brasilien gefor-
dert; erst nach Schließung des Amtes in Brasilien am 31. März 1920 verweigerte
Wien den Ersatz der Heimreisekosten. Wien bescheinigte Prochaska 1924, dass
er bei seinen Ausgaben in Brasilien im guten Glauben gehandelt habe, manches
konnte auch nicht mehr überprüft werden. Mit Hilfe eines Wiener Rechtsanwal-
tesundRatschlägenausdemMinisteriumverlegteProchaskaseinen
Wohnsitz in
einWienerHotel. JetztkonnteeralsösterreichischerStaatsangehörigereingestuft
werden.MitSchreibenvom16.Febr.1926erkanntemanihmeinenprovisorischen
Ruhegenuss zu, angefangen vom 1. Dez. 1923. Da seine Dienstzeit nur bis 3. Nov.
SiezerrtenihnaufdemBodenherum,spucktenihminsGesicht,zerrissendieösterreichische
FlaggeundhabenihmdasAllerschmutzigsteangetan,wasSiesichvorstellenkönnen!Öster-
reichwirdderWeltniemalszusagenwagen,waswirmitseinemKonsulgemachthaben.Ganz
EuropawürdeesauslachenundesmüßteunsdenKriegerklären ,Durham,S.282.
1042 Diese Erklärung Prochaskas, die nach dem 1. Weltkrieg verfasst wurde und im Personalakt
liegt, hat Kann nicht verwendet. Prochaska als unfähigen Konsul (S.10) zu bezeichnen, ist
nachmeinerMeinungnichtrichtig.Komitadschi türkischeBezeichnugfürAufständische
inMazedonien.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918