Seite - 35 - in Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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MotivationdesSchreibens 35
ĂsterreichsVerfassunggewĂ€hrterstmalsumfassendePresse-undMeinungs-
freiheit, was zunÀchst eine rasante Entwicklung derMedien zur Folge hat.
EinneuerZeitungstypus,diesogenannteBoulevard-,Sensations-oderRevol-
verpresse etabliert sich.TrotzgroĂerGebietsverluste, diedenMarkt fĂŒrdas
Zeitungswesenempfindlichschrumpfen lassen,kommtes inĂsterreich inder
ErstenRepublikzueinerâungeahntenVielfaltdesPressewesensâ,82 indemder
ParteipresseeinewichtigeStellungzukommt.
UnterderVielzahlder inden1920er JahrenerscheinendenPrintmedien,die
sichdezidiertaneinweiblichesPublikumwenden,findensindfĂŒrĂsterreich
u.Â
a.ZeitschriftenzueinschlÀgigenThemenwieHaushalt,Erziehung,Körper-
pflegeundMode,darunterz.Â
B.:dieNeueFrauenwelt.Zeitschrift fĂŒralleMode,
Haus-,Erziehungs-undBerufsfragenderFrau,Berlinbzw.Wien(1925â1927),
dieModeder elegantenFrau,Wien(1927â1942),ModeundKosmetik,Wien
(1926â1941),DasBlatt fĂŒrKörperkultur,Wien(1926),Die schöneFrau: eine
Monatsschrift,Wien (1926â1937),WienerDamenmode,Wien (1926â1941),
aberauchZeitungenundZeitschriftenvonParteien,Berufsgruppenundkirch-
lichenStrömungenwieDieUnzufriedene (1923),Frauen-Briefe.Ăsterreichi-
scheFrauenzeitung (1927â1938),Mitteilungender âVereinigungderarbeitenden
Frauenâ (1920â1937),dasRohö-Frauenblatt (1921â1927),DieModerneFrau
(1926â1928),dieAkademischenFrauenblĂ€tter,Graz(1926â1927),DieĂster-
reicherin,Wien(1928),Frauerl,Wien(1925)sowieDerWeg.Monatsschrift fĂŒr
denErfolgberufstÀtigerFrauen,Wien(1929).
DieserAufschwunginderMedienlandschaftderZwischenkriegszeitflaut,
beginnend1933/34,mitdemVerbotderkommunistischenundsozialdemokra-
tischenPressesukzessiveab.TrotzSchlechterstellunggegenĂŒber ihrenmĂ€nnli-
chenKollegenâFrauenwarenmitstereotypenRollenzuweisungenkonfrontiert,
die sieausvielen journalistischenArbeitsbereichenausschlossen,undwurden
zudemschlechterbezahltâkamâFrauenimJournalismusder1920er Jahren
eineunĂŒbersehbareBedeutungzuâ.83Endeder1920er Jahre,als
die gesellschaftlicheEmanzipationsbewegung in vollemGang ist, als die Frauen inder
Literatur ihrePositionnebendenMÀnnern selbstverstÀndlicheinnehmenund imLite-
raturbetriebErfolgeverzeichnen,wird ihnennichtnurdieRĂŒckkehrzueinemtraditio-
nellenFrauenbild,wie es der Faschismuspropagiert, verordnet, sondern ganzkonkret
durchrassischeundpolitischeVerfolgungdieMöglichkeitdesSprechens imdeutschen
Sprachraumwiedergenommen.84
82 Ebd.:S. 182.
83 Ebd.:S. 185.
84 ChristaGĂŒrtler;SigridSchmid-Bortenschlager:ErfolgundVerfolgung.O. a.: S. 22.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien