Seite - 87 - in Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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InZeitendesnochumkämpftenFrauenstudiumsistdieStudentinhäufiger
ErzählgegenstandinderLiteratur,wassichmitder Institutionalisierungder
höherenFrauenbildungsowie imZugedesAusbruchsdesErstenWeltkriegs,
mitdemandereThemenindenVordergrundrücken,allerdingsändert: „Das
Sujetfindet sichnach1908kaumnoch“,befindetWeiershausen,die in ihrer
UntersuchungzurStudentin inderLiteraturumdie Jahrhundertwende resü-
miert,dassdasThemazumeinenmitderprinzipiellenZulassungderFrauen
zumStudiumanInteresseverliertundzumanderendie„literarischeAuseinan-
dersetzungmit studierendenFrauenaufrelativkrisenfreieZeitenbeschränkt“
sei.264
Das trifftauchaufdasWerkFeldmanns zu, indemsichnach1908keine
weitereBearbeitungdiesesMotivsmehrfindet.DiegrundsätzlicheAkzeptanz
derMöglichkeitdesFrauenstudiumsindendarauffolgendenJahrenzeigt sich
inFeldmannsTextüberGertyHeinundihreGäste,worinKinder ihreBerufs-
wünschediskutieren.Einigevonihnenwollenstudieren,derGroßteil ist aber
nochderAnsicht,dasBesteseies, einegutePartiezumachen.265
WenigeMonatevorErscheinenvonBettinaundderFaun inderZeit (1908)
fanddieGründungsversammlungdesAkademischenFrauenvereinesstatt,des-
senersteAktiondieVerfassungeinerPetitionzurÖffnungdes Juridicumsfür
Studentinnenwar.266AnstoßdiesesAnsuchenswarnichtnurdasEinklagen
einesvorenthaltenenRechts, sonderneszieltevielmehraufdie„Befriedigung
einesBedürfnisses fürdieGesamtheit“.267AlsArgument fürFrauen imJus-
Studiumwurde unter anderemauch das schon bei derDiskussion umdie
ZulassungvonFrauenzumMedizinstudiuminsTreffengeführte ‚Schamar-
gument‘ vorgebracht, da „[d]ie Frau […] sich leichter derFrau erschließen
undbesser verstandenwerden [wird]“268, wieHeleneMigerka 1900 in der
ZeitschriftdesÖsterreichischenFrauenvereins ‚Frauenleben‘ schreibt.Auch
LeopoldineKulkaschlägt indieselbeKerbe,wennsie1908 in ihremArtikel
Wozubrauchenwirweibliche Juristinnen? argumentiert: „Es ist nun einmal
leidernicht indermenschlichenNaturgelegen,einwesensfremdesInteresse
264 RomanaWeiershausen:WissenschaftundWeiblichkeit.DieStudentin inderLiteraturder
Jahrhundertwende.Göttingen.Wallstein2004.S. 14.
265 Vgl.:ElseFeldmann:GertyHeinundihreGäste. In:DieZeitNr.:3219.10.09.1911S. 4–5.
266 Vgl.:WaltraudHeindl;MarinaTichy(Hg.): „DurchErkenntniszuFreiheitundGlück…“:
FrauenanderUniversitätWien.WUV.Wien1993S. 68.
267 Ebd.:S. 68.
268 HeleneMigerka:DieZulassungderFrauzumJusstudium.In:FrauenlebenNr.:5.Mai1900.
S. 1.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien