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NebenFeldmannsindweitereFrauenvertreten,diemit ihrenMittelndie
Öffentlichkeit für dieWelt desElends indeneuropäischenGroßstädten zu
sensibilisieren versuchen:Die SchweizerinElse Spiller, die aufgerüttelt von
demWienerKinderelend als eine der ersten Frauen dieArmutsviertel der
Großstädte inEuropaerkundet, schreibtüber ihren1911erschienenenBand
Slums.Erlebnisse indenSchlammviertelnmodernerGroßstädte, indemsie ihre
Eindrücke festgehaltenhat: „Es lagmirvieldaran,dasLebenzuschildern,wie
eswirklichwar;diejenigen,dieesbesserhatten,daraufaufmerksamzumachen,
wieviele imSchattenstehenmüssen.“291
In Berlin befasst sich die Schriftstellerin und Journalistin Ella Mensch
(1859–1935),diezuHansOstwaldsReiheBerlinerGroßstadtdokumenteeinen
Band,Bilderstürmer inderBerlinerFrauenbewegung (=Bd.
26),beigetragen
hat, aus feministischerSichtmitGroßstadtfragenund ihreWienerKollegin
AnittaMüller-Cohen,dieunteranderemmitdemJournalistenBrunoFrei292
zusammenarbeitet,widmetsichdemLeid jüdischerMütterundKinder,wofür
siedie ‚SozialeHilfsgemeinschaft‘gründet.
ZurSichtbarmachungderLebensbedingungenindenElendsviertelnbedien-
temansichauchneuerMedienwiedemdesLichtbildvortrages.
Neben Bruno Freis Bildern vomWiener Elend (1919), den Streifzügen
durch das dunkelste Berlin der deutschen Schriftstellerin und Journalistin
MetaSchoeppfindetauchderVortragdes JournalistenEmilKlägerunddes
PhotographenHermannDrawemitdemreißerischenTitelDurchdieQuartiere
desElendsundVerbrechensvon1904seinPublikum.Der1908 inBuchform
erneut Verkaufserfolge erzielende Lichtbildvortrag wurde ein regelrechter
Kassenschlager,dereinbeachtlichesPresseechoerzielteundvon1905bis1908
imRepertoirederWienerUraniablieb.293
ImGegensatzzuKläger–dersichmitDrawealsObdachloserverkleidetauf-
macht,den„dunklenKontinent“zuentdeckenunddiesenWechselvoneiner
Welt indieandereauchdieGrenzenzwischenFaktundFiktionverwischend
dramatischauflädt:„SehetMenschen,vonHungergewürgt,vonKrankheitver-
dorben,die imKotenächtigen.“294–bedarfElseFeldmannfürihreReportagen
wedereinersolchenMaskeradenocheinesaufsehenerregendenEffekts,undso
291 ElseSpiller:AusmeinemLeben.Erinnerungen.Zürich.1929.S. 6.
292 SeineReportagenüberdasWienerWohnungselenderscheinen1917–1919nebenFeldmanns
Jugendgerichtsserien imAbend.
293 Vgl.:Margarethe Szeless:Die SozialreporterEmilKlägerundHermannDrawe. ImDuo
durchdieWienerElendsquartiereder Jahrhundertwende. In:ChristianEhalt (Hg.):Wien:
Die Stadt lesen.Diskurse, Erzählungen,Gedichte,Bilder.Weitra.BibliothekderProvinz
2000.S. 61–68.
294 EmilKläger:DurchdieWienerQuartieredesElendsundVerbrechens.EinWanderbuchaus
demJenseits.Wien.KarlMitschkeVerlag1908.S. 5.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien