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Löwenzahn.EineKindheit (1921) 137
geleitet,derTodestagderSchwester Johanna(datiertmit22.November1897)
hingegenausführlichbeschrieben.509
Dieobenbereits angeführtenPassagen, indenendie Ich-Perspektive auf
anderePersonenübergeht,könnenalsHerauslösunglebensgeschichtlichbe-
deutsamerKonstellationenausdererzählerischenAnlagegelesenwerden,wie
dasHoldenried alsCharakteristikummodernerAutobiographik ausmacht.
Dabei handelt es sich abernichtumeigenesErleben, sondernumdasdem
Erzähler-Ichnahestehender, aber auch fremderPersonen–wie imFall der
OrdensschwesterPia.
Neben gelegentlichemAufbrechen derChronologie findet sich auch bei
FeldmanndieVerschiebungvonzeitlichemhinzuräumlichgeprägtemErleben,
diedenTextinemotionalunterschiedlichbesetzteErfahrungsräumeauffächert.
So erscheint z.
B. die Schule als angstbesetzter Raum, in dem die Ich-
Erzählerin,wiedieanderenMädchenauch,Demütigungeneinersadistischen
LehrerinsowieAusgrenzungseitensderMitschülerinnenausgesetzt ist: „Ich
war immerwieder froh,wennichwiederzuHausewar.“ (LZ19)Aberauch
dasZuhause istnurbedingtOrtderZufluchtundGeborgenheit:
SchonimHausflurverdüsterte sichmeineSeele.DiebläulichgeweißtenWände,welche
überdies schmutzigwaren, die engenSpiraltreppen, diefinsterenGänge, die sichnoch
durchdasSchuhwerkso furchtbarkalt anfühlten;dieFenster,die ineinenLichthofgin-
genund indenVorhofdesnächstenHauses;dieÖllämpchen,dienicht leuchteten,nur
glimmten,der trostloseisigeKellerhauch,der imStiegenhause lag,undeinGeruchvon
verdorbenemFett, schmutzigen,dunstigenKleidern, ein schrillesGetönvonKinderge-
heulundrohenScheltworten,dumpfeSchlägevonMännerfäustenunddasersterbende
Gewinsel einesaltenräudigenHundes–diesallesgetaucht ineineFlutvonDunkelheit
undmodrigerKühle. Tür anTürnistetendieMenschen.Die StubenwarenwieGänge
schwacherleuchtet–da lebtenMenschenmit ihrenSorgen,wurdenalt,wurdenkrank,
starben,wurdengeboren,Söhnewuchsenheran,Töchter…510 (LZ95)
AlspositiverGegenpoldazuerscheintdieNatur.EinAusflugmitdenGassen-
kindernzurDonaubefreitausderEreignislosigkeitderhäuslichenEnge:
AufderWiesebei derDonauwar es kühl und luftig.DasWasser rauschteheran, blau,
grün,mansahdieFischemitdenkleinenWellendahinziehen.Ringsumher,biszurMau-
erhinauf,biszudenkleinenSteinenwarengelbeBlumen.Owiewunderbarsieglänzten
aufderschmutzigenErde,mitten inMistundButterbrotpapier. (LZ24)
509 Vgl.:ZurDarstellungderZeit inLöwenzahnMonikaNebosis.AberwasbleibtamSchluß?
ElseFeldmannsRomane.Löwenzahn,DerLeibderMutterundMarthaundAntonia.Di-
plomarbeit.Univ.Wien1999.S. 49.
510 DadurchdassFeldmanndenSatzhierunvollendet lässt, erzielt sienebendemEffektder
IrritationmehrAufmerksamkeit fürdasmehrfacheAusgegrenzt-SeinvonMädchenund
Frauen,alseseineexpliziteFormulierungerreichthätte.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien