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140 Romane
nalisierteWert- undNormvorstellungen verstellten kindlichenPerspektive
hervor:âDerkindlicheBlick istunverbildet, seineWahrnehmungunverstellt
undsubjektiv authentisch.â519Damitbietet erdieMöglichkeit subtiler,weil
nichtexplizitgeĂ€uĂerterSozialkritik.
MechthildBarthzufolge,diesichmitnarrativenInszenierungendeskind-
lichenBlicksauseinandergesetzthat, stelltdieErzÀhlungausderPerspektive
desKindesalseinâparadoxe[s],hochartifizielle[s]Konstruktâdar,beidemder
AutorvordieSchwierigkeitgestellt ist,alsErwachsenerglaubhaftdasWesendes
Kindesbegreiflichzumachen:âNichtnur ist eseinerwachsenerAutor,derein
vor langerZeitverlorengegangenes,kindlichesBewusstseinzurekonstruieren
versucht, sonderner tutdiesauchnochmitHilfeeinerausgefeiltenSprache,
derenFehleneinewesentlicheKomponentedesKindlichendarstellt.â520 Im
Zugeeiner solchen transzendierendenErinnerungkommteszueinerRein-
terpretationdessen,wasderErwachsenevonseinerkindlichenErfahrungzu
rekonstruierenfÀhig ist.521
AlsMerkmalederkindlichenNarrationhatHagendieTendenzdesVerhaf-
tetseins inder jeweiligenGegenwart, stereotypeSprachverwendung,diedas
kindlicheVerhĂ€ltniszuSprachedemonstrierensoll, sowieâfĂŒrdenfrĂŒhkindli-
chenStatusâdenerzĂ€hlerischenNachvollzugdesFehlenseinerUnterscheidung
zwischenIchundUmweltangefĂŒhrt,Kennzeichen,diesichauchbeiFeldmann
wiederfinden.522AmSprachstilderErzÀhlerin inLöwenzahnwird individu-
elleEntwicklungablesbar.DieSatzkonstruktionenzuBeginnsindnochsehr
einfach,kurzundâdemsprachlichenNiveaueinesKindesentsprechendâred-
undant: â[m]eineMutter sagteâ, â[e]r sagteâ, âJohannafragteâ, âVatersagteâ (LZ
11f.)Beobachtungenwerdenunreflektiertwiedergegeben,wasdaskindliche
Erlebenverdeutlicht:
[âŠ]dawirdnichtserklĂ€rt,nichtsanalysiertundnichteinmalsorechtgeschildert,denn
daskleineMÀdchenversteht jadieAltersgenossennochnichtsogenau,umsiezuerklÀ-
ren,geschweigedenndieErwachsenen.DaskleineMÀdchenerzÀhltnur,wiederholtnur
GesprÀche,die sich ihr eingeprÀgthaben,deutetGesichter an, Szenen,SchauplÀtze,die
ihr inErinnerungbleiben,
schreibtFelixSalten,derdieBesonderheitderdurchgehaltenenKindheitsper-
spektive,desTons,âder inderPhasederPubertĂ€tzwareinwenigreiferwird,
519 CorinnaDehne:Der âGedĂ€chtnisortâRoman.ZurLiterarisierungvonFamiliengedĂ€chtnis
undZeitgeschichte imWerkJeanRouands.Berlin.ErichSchmidtVerlag2002.S. 172.
520 MechthildBarth:MitdenAugendesKindes.NarrativeInszenierungendeskindlichenBlicks
im20. Jahrhundert.Heidelberg.UniversitÀtsverlag2009.S. 31.
521 Vgl.:PeterSloterdijk:LiteraturundLebenserfahrung.AutobiographiederZwanziger Jahre.
MĂŒnchen.Hanser1978.S. 130.
522 Vgl.:RainerHagen:Kinder,wiesie imBuchestehen.MĂŒnchen.List1967.S. 95â102.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien