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LeibderMutter (1924) 153
Geldsäckeheraus.Undviele sterbenaufderStraßeohneHilfe, verendenaufdemMist-
haufen…[…]Es ist eineUngerechtigkeitunterdenMenschen, eswirdniebesserwer-
den!‘ schrieer. (LDM179)
DieKontaminationzwischenmenschlicherBeziehungendurchdieDepersona-
lisationdesGeldeswird imRomanmehrfachexplizit: „Freundschaftistetwas
sehrFragwürdiges. ImbestenFallegegenseitigerHilfe leihtmandemanderen
Geld.“ (LDM106ff.) „[…]dieFreunde,dieduhast, sindkeineFreunde. Sie
wollennichtsanderes, alsdurchdicheinStückGeldverdienen.“ (LDM154)
AlsLaichvoneinemKollegenauf sein„unmöglich[es]Leben“ (LDM34)
angesprochenwird–„GlaubenSie, lieberLaich, ichmerkenicht,wie Ihnen
dasAlleinsein schlecht tut […]?“ –, fühlt er zuerst „einewarmeWelle von
FreundschaftdurchseinerstarrtesHerzströmen“(LDM35),wirdabersofort
misstrauisch,alsermerkt: „SolltevielleichtderManneineTochterhaben,die
eranbringenwollte?“ (LDM36)LaichweistdenVorschlageinerGeldheirat
kategorischvonsich:„‚VondemGeldeeinerFrau leben?Nie!‘“ (LDM36)
NachdemLaichmiteinemArtikeleinenunerwartetenErfolgerzielthat, ist
erplötzlichvonInteresseundwirdvonseinemChefzumEssenimKreisseiner
Kollegengeladen: „Er,derGewaltigeundErfolgreiche, stelltmichaus, zeigt
michseinenGästen,wie JungenSchmetterlingeunterderGlasplatte spannen
unddie schimmerndenFlügelbestaunen.“ (LDM52)Einfluss,Könnenund
BesitzsinddielabilenTauschwerteindiesemKreis:„‚NunsolltenSienichtmehr
versäumen,aufmeineVorschlägeeinzugehen‘“,gibtderKollegezubedenken,
„jetzt,woSieenvougesind!“ (LDM53)
InderRundewirdLaichherumgereicht, undderEinflussdesGeldes auf
engezwischenmenschlicheBeziehungenwieeineEhewird in folgenderSzene
deutlich: EinElternpaar, vonFeldmannplakativ als „dickeBürger in guten
Kleidern,mit Schmuck behängt“ beschrieben, taxiert ihn unverhohlen als
potentiellenSchwiegersohn:„WährenddesGesprächssahensieabwechselnd
auf ihreältereTochterundaufLaich.“ (LDM55ff.)DieVorzügeeinerzweiten,
nichtanwesendenTochterwerdenebenfallsangepriesen:„,DasisteineStimme,
diemüßtenSiehören‘, ließ sichderVaterprahlerischvernehmen.“Unddie
MutterentkräftetdenEinwanddererstenTochter–dieihreChancenschwinden
sieht: „Helene istnoch langenicht fertig.Siemußnochviel lernen.“–mitdem
Hinweis auf ihren einflussreichenVerwandten: „Wozuhabenwirdenn ihn,
unserenOnkel?Erwirdschondafür sorgen,daßwireinegutePresse“–die
imÜbrigenauchLaichals ‚aufstrebenderKulturredakteur‘bietenkönnte–,
„Empfehlungenundsoweiterbekommen.DieHauptsache istProtektion,und
diehabenwir.“ (LDM57)DagegenvorgebrachteBedenkenwerdenabgetan:
„‚Wennmanwill, gehtalles […].‘“ (LDM58)
Laich,derglaubt, seinenBerufsstandverteidigenzumüssen–„[…]‚wenn
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien