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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Seite - 170 -
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170 Romane wobeidiese‚moralischeÜberlegenheit‘aucheineÜberidentifikationunddamit einhergehendeineunreflektierte,einseitigeParteinahmenachsichziehenkann. Laichweigert sich, ‚Leid‘, das sich außerhalb seiner bis zu einemgewis- senGradselbstgewähltenLebensrealität imArmenviertelderGroßstadt,man könntesagen,außerhalbseinesMitleid-Horizontes, ereignet, anzuerkennen: DerBürgerstochterErika,diesichvonihrereigenenFamilie losgesagthat, umderLeere imdortigenWohlstandzuentfliehen,undeineStelleannehmen will,hältLaich ihrePrivilegiertheitvor: „,Siewissennicht,wiegutSieeshaben –imVergleichzu ihrenunglücklichenSchwestern,die ihrBrotaufderStraße verdienenmüssen.‘“ (LDM110)Anihrhaterauszusetzen,was imGrunde– würdeerdasHilfsangebot seinergut situiertenFamilieannehmen–auf ihn selbstzuträfe: Dastandsievor ihm,dieWohlhabenheit selbst;mit ihrenLederhandschuhen,weißwie Schnee,und ihremseidenenSonnenschirm;alleswargutundgediegen, fürBargeld im Ladengekauft.Da standsieundhatte eineverbriefteSicherheit imLeben. ImSommer wie imWinterwürdesienichtsentbehren. (LDM110ff.) BeiNietzsche findet sich auch die Idee der Ich-zerstörendenWirkung des Mitleids,das,befeuertvonderSelbstlosigkeiteines Individuums,dazuführt, dassdieses seinSelbstverliert.BezogenaufdenRomanzeigt sichdiese inder überbordendenSelbstaufgabeLaichs, den seinMitleiden immerweiter von seinemursprünglichenZiel, es imJournalismuszuetwaszubringen,entfernt, was schließlich inderfinalenSelbstzerstörungkulminiert.Er stirbt„wieein heimlicherHeilandfürdieOpferderkapitalistischen ‚Ordnung‘“591beidem AnblickderMisshandlungJustinesdurch ihrenFreier,nocheheder ihntrifft: „denSchlagspürtedieser[Laich]nichtmehr.SeinHerzwarschoninderMinute gestorben,als JustineblutendzuBodensank…“(LDM245) Verfechter desMitleids hingegen –wie z.  B. Lessing, der dasMitleid als eine derwichtigsten bürgerlichenTugenden ansieht und ihmeine zentrale Position imbürgerlichenTrauerspiel zuspricht, sowieSchopenhauer,dergroße MitleidstheoretikerderklassischendeutschenPhilosophie,derdasMitleidals moralischnotwendigesGegengewichtzumEgoismussieht–unterstreichen vorallemseinepositivenAspekte. Dieseversucht auchNatanSznaider in seinemEssayÜberdasMitleid im Kapitalismus,das ich imFolgenden inBezug zuFeldmannsRoman stellen möchte,herauszuarbeiten. SznaiderbezeichnetdasMitleidals„dieorganisierteAktivität,dasLeiden andererzumildern“,undsieht in ihmeine„eindeutigmoderne [Hervorh.v.m.] 591 FritzRosenfeld:Zeitromane.O.  a.: S.  7. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand