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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Seite - 174 -
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174 Romane verpfändeter seineguteKleidung:„[…]unddannstander indemalten,abge- tragenenAnzugalseinschäbigerMenschda.“ (LDM127)Damitwerdenseine Absageandie ‚guteGesellschaft‘ sowieseinBekenntnis, zudenAusgestoßenen gehörenzuwollen,auchäußerlichmanifest. BeigenaueremHinsehen lassensichabersehrwohl Indizien fürEigeninter- essealsMovensvonLaichsHandelnausmachen:DenSohnvonFrauMiczek, seinerVermieterin,will erdurchsGymnasiumbringen,umsich in ihm,„für spätereinenFreundheran[zu]bilden“(LDM30),undseineLiebezuJustine entspringtu.  a.demWunsch, selbsteine ‚Mit-Leiderin‘ zufinden.Sie istnicht freivondemGedankendesBesitzen-WollensunddesNarzissmus: Schönerwares,eineguteFrauzuhaben,eineganzsanfteFrau;diealleTraurigkeit inder Seelehattewieerselbst.Einernstes, tiefes,kleinesMädchen,dasihnniemehralleinließ, biszurStundeseinesTodesunddanninschwarzenSchleiernaufseinGrabkam,umzu weinen.NochimGrabewürdenihreTränenihmwohltun. (LDM106) TrotzseinesEntschlusses,mitMitleid lieben,einMensch,keinMannseinzu wollen, istLaichnicht freivonMachismo,dersich inseinenTräumenBahn bricht: ErschläftundträumtvoneinemMädchenineinemweißenKleid,daserverlassenund dasmit ihremkleinen,verirrtenHerzenamWegestandundmitdemütigenAugennach ihmausschaute…Unddannwaresaufeinmaleineandere,miteinerherrischenStimme vonunerbittlicherGewalt–aberdannkameinkurzerAugenblickvonWeibesschwäche übersieundließsiekleinwerdenundzaghaft,daßsiesichanschmiegenmußte,unddies zuerleben,warsüßundseligundallerMarterwert. (LDM173) NutzenorientiertesHandelnwird inderHandelsgesellschaftnichtmehr als moralisch verwerflich, sondern alsmoralischer Fortschritt angesehen,weil esdasStrebennachRuhmsowiedenreligiösenEifermilitaristischerGesell- schaftsformendurchfriedlichesTauschenundHandelnersetzt.Handelund KonsumhabendemnacheinepazifizierendeWirkung. EigeninteresseundNutzenorientierungvonLaichsaufdenerstenBlickselbst- aufopferndwirkendemMitleid istdemnachseinVersuch,sichüberdasMitleid indieGemeinschaftderAusgestoßenenzu integrieren,einerder ihrenzuwer- denunddamitHeimatundZugehörigkeit zufinden:„Oh,unterdenanderen sein,dannwarernichtmehrsoentsetzlicheinsam.“(LDM80)EinVersuch, der –wie bereits imvorangegangenenKapitel aufgezeigt –misslingt, da er sowohl imKreis seinerursprünglichenGemeinschaft,derFamilie, inderbür- gerlichenGesellschaftderGroßstadt, aberauchunterdenAusgestoßenenim Elendsviertelunzugehörigbleibt.603 603 Vgl.: S.  163vorliegenderArbeit. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand