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LeibderMutter (1924) 177
Unabhängigkeit, indemmanfreiwählenkann,mitwemmansichemotional
solidarisiert.
IndiesemZusammenhangkannLaich–derneuenmoralischenOrdnung
entsprechend–als ‚modernerFremder‘ und ‚mitleidender‘Bürger gesehen
werden.SeinMitleidmitdenRandständigenentsprichtkeinemreligiösenPrin-
zip, sondernerwächstauseigenerLeiderfahrung,dieeraufandereprojiziert:
„Wieschwermochtesieeshaben[…]“(LDM66)„Ernahmsie inseinHerz
auf,blutendvorMitleid.“ (LDM148)
DieAblehnungderde factogegebenenAufstiegsmöglichkeiten indie ‚gute
Gesellschaft‘beruhtaufLaichseigenerWahl: „Niewerde ich jemandenverste-
hen,dereinBankkonto,einAuto,einenMusiksalonhat,undniewirdermich
verstehen.Wozuzwinge ichmich?“ (LDM52)SichmitdenAusgestoßenen
zusolidarisieren, ist seine freieEntscheidung: „Gleichdaraufkamein fester
Entschlußüber ihn:Hierwollteerbleiben,unter ihnen,diesenGeschlagenen,
BeschimpftenundGetretenen.Wennnichtsanderes,nahewollteerihnensein.“
(LDM16)
GroßenEinflussnimmtdieGeldwirtschaft, soSznaider, auchaufdenWett-
bewerb,derrationalerunddemokratischerverläuftals früherderWettbewerb
umRuhmundEhre,andemnurHeldenundvorallemAngehörigedesAdels
teilnehmenkonnten.
Obwohl Laich seineEntscheidung, imArmenviertel zu bleiben, vor sich
zunächstnochmoralischzurechtfertigenversucht–„[…]zumSchlußsagteer
sich,ohnerechtzuwissen,warum:AlsEhrenmannmuss ichbleiben.“ (LDM
14)–, so isteinzentralerBeweggrundseinesHandelnsdochMitleidundder
Wunsch,Leidzuvermindern:
ErwolltedieFrauzumBesserenstimmen.WozuhatteerseinWissenundseineLebenser-
fahrung,wennsienichtdazudienensollte,demArmen,wennauchdemgeistigArmen
zuhelfen? Sei es nur, trübeAugenblicke zu verscheuchen,wenn er nur einmal dawar
undhierwohnte. (LDM76)
IneinerkapitalistischenGesellschaftkanntheoretisch jedermit jedem,ohne
Rücksicht auf Stand, Klasse und Person, inWettbewerb treten.Mit Adam
Smith–„everybodybecomesamerchant“–sprichtSznaiderdavon,„dass jeder
amMitleidanderer teilnehmen[…], jeder […]zumHändlerseinesLeidens
werden“610 kann: „‚HabErbarmen.‘“ Soappelliert dieProstituierteFlora an
Laich,als sie sichdasersteMalaufderStraßebegegnen.„‚Kommdochzumir;
auch ichbinallein.‘“ (LDM22)
610 NatanSznaider:ÜberdasMitleid imKapitalismus.O. a.: S. 38.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien