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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Seite - 179 -
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LeibderMutter (1924) 179 DerGroßteildermodernenMenschenstehtdemLeideninderWeltnicht indifferentgegenüber, sondernnimmtesals solcheswahrundversucht imbes- tenFalle sogar, esausderöffentlichenWeltzuschaffen,etwasdaranzuändern –einentscheidenderWandel,der, soSznaider,vonModernisierungskritikern übersehenwird. OhneMedium–Laich ist, wie Feldmann, Journalist – istMitleid in der modernenWeltnichtmöglich.NichtöffentlichgemachtesLeidentziehtsich derWahrnehmung,nurwerüberdasLeidenanderer informiert ist,kannes sich auchvorstellenundmitleiden. „Inder Journalistik“, soLaich, „kames daraufan,[zu]beobachten,[zu]schauenundausErkenntnissenheraus“(LDM 210)zuschreiben.UndsoberichteterunteranderemauchvonSzenen,„wie siedasMassenelendderWeltstädteanallenStraßeneckenhinstellt“ (LDM76). WardieVorstellungdesLeidens indervormodernenWeltansozialeund kulturelleGrenzengebunden–„DieGrenzenderMoralwarendieGrenzender Gemeinschaft.“613–,sowirdLeidinderkapitalistischenDemokratienichtmehr als gottgegebenundausweglos, sondernalsUnglück, dasbekämpftwerden muss,angesehen.Dabeigehtesabernichtmehr,wievonNietzschekritisiert, umSelbstaufgabe.Nurwerein‚Selbst‘,alsoauchEigeninteressehat,kanndieses EigeninteresseaufFremdehinverallgemeinern. Laichsieht seineeigeneexistenzielleVerlorenheit inderNotandererwider- gespiegelt,womitseinMitleid,SchopenhauersobenausgeführterAuffassung vonderdemMitleid inhärentenProjektiondeseigenenLeids folgend,auchals Versuchangesehenwerdenkann, sichselbstzuhelfen. IndividualismusundAltruismusschließeneinandernichtaus, sondernbil- denzusammengenommenGrundlagenderbürgerlichenGesellschaft.Altruis- mussiehtSznaideralsTeildermodernenLebenswelt,dienicht,wievonzahlrei- chenKritikernbehauptet,moralischeGrundlagenzerstörte, sondernsie schuf: Diemoderne bürgerlicheGesellschaft ist einemitleidende.Mitleid ist diemoralische InstanzderModerne.Mitleidistunvollkommen.EsistgeradedieseUnvollkommenheit, die es so typisch fürdieModernemacht.ZummodernenMitleidgehört inersterLinie dieVorstellung:dasErkennendesLeidensunddiePolemiküberdenMangelanMitleid inunsererGesellschaft.614 DerGrenzenundderdamitzusammenhängendenUnvollkommenheit seines Mitleids ist sichLaichwohlbewusst: „…DasLeben ist kurz, es reichtnicht hin, umallenMenschen, die in unsereNähe kommen,wohlzutun.“ (LDM 196) Sein hohesMaß anEmpathie, seine Fähigkeit, sich das Leid Fremder vorzustellen, seinWilleundseinegleichzeitigeUnfähigkeit, etwasdagegenzu 613 Ebd.:S.  65. 614 Ebd.:S.  70. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand