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180 Romane
unternehmen,machenihnzumVertreterdesmodernenMitleidsundmoder-
nen âAntiâ-Helden.
MutterliebeââeineMachtsogroĂwiedieWeltââIdealundWirklichkeit
Wesentlich fĂŒrdenRomanistauchdasherrschendeMutterideal,das imText
mehrfachbenanntââ[âŠ]Mutterliebe istdasHeiligsteâŠâ(LDM31,115)â,
vonFeldmannaberdurchdieSchilderungtatsÀchlicherZustÀndekonterkariert
wird.Dabeigehtes ihrnichtdarum,dasMutterideal zudemontieren, sondern
darum,aufdieSchwierigkeitenbzw.Unmöglichkeithinzuweisen,diesesunter
schlechtensozialenundwirtschaftlichenVoraussetzungenzuerfĂŒllen.
EinezentraleStellungnehmendabeidreiunterschiedlicheMuttergestalten
ein:LaichsVermieterin,FrauMiczek,dieSchustersfrau,FrauFehrenheit, sowie
LaichseigeneMutter.GleichzuBeginndesRomanswirdLaichZeuge,wieFrau
Miczek ihrenSĂ€uglingverletzt:
Ersahdrinnenfolgendes:EineFrauginghinundher,hielteinKindvonungefÀhrsechs
Wochen auf demArmund stach esmit einerNadel in denHinterkopf.DasKind, das
nur in einemHemdchenwar, schienbetÀubt oder berauscht, es schrie nicht, es schlug
nurmitdenĂrmchenumsich,esflattertewieeingestochenesHuhn. (LDM17)
FeldmannbelÀsstesnichtbeiderdrastischenDarstellungderGewalthandlung,
sondernbeschreibtdieUmstĂ€nde,diezuAbtreibungundKindsmordfĂŒhren:
DasAusgeliefertsein an denMann, der auf der Befriedigung seiner Triebe
beharrt,ohnedabeiandieFolgenfĂŒrdieFrauzudenken:âich leideso,aber
derMannwill esnichtandersâ (LDM27).
DannkamenwiederdiePlagen,diesieschonachtmalhintersichhatte.Dannwarwieder
allesda.BeiTagdasWaschenderWindeln,diebeiNacht trockneten,dieKrankheiten,
dieAngst,derGestank,dasGeschrei;unddieUnmengenanArbeit,dasKochenmitSpi-
ritus,dasNachfĂŒllenderFlaschemitwarmemTeeundMilch,dasEin-undAuspacken
âŠoweh,owehâŠmanwurdemĂŒderalseinTier. (LDM97)
SiebeschreibtdieLebensumstÀnde imArmenviertel,woKinderohneLuftund
Licht inschmutzigenKellerstubenaufwachsen, sowiedasDilemmaproleta-
rischerMĂŒtter,diegezwungensind,Geldzuverdienen,â,gesegnetenLeibesâ
schwereLastenschleppenmĂŒssen,umdievierzigoder fĂŒnfzigKreuzer tĂ€glich
zuhabenâ,615undspĂ€ter ihreKindermiteinemTeeausgrĂŒnenMohnköpfen
sedieren,umsiealleinzuHausezurĂŒcklassenundarbeitengehenzukönnen.
WieFrauMiczekhatauchdieSchustersfrau,FrauFehrenheit,unterWillkĂŒr
undAggression ihresMannes,der sie inAnfĂ€llenvonTrunkenheit regelmĂ€Ăig
615 ElseFeldmann:Waldschulkinder. In:DANr.:275.01.12.1916.S. 3â4.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien