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182 Romane
Kinderhabenwollte,wiesieeswünschte,undwennesanderswar, siehaßte“
(LDM129),sowiedas inAbhängigkeit-halten-WollendeserwachsenenKindes:
„,Bleibe für immerbeiuns.Laßmichdichnocheinmalgesundpflegen,wie
damals, alsdueinherziges,kleinesKindwarst.Bleib’beimir!‘“ (LDM186)
In ihremAufsatzüberdieDarstellungdesweiblichenKörpers inFeldmanns
Roman verweist Bascoy Lamelas auf dieDehumanisierung desweiblichen
KörpersdurchdenMannunddieGesellschaft.AlsSexualobjekt,Mutterund
Arbeitskraftmehrfachausgebeutet,wirdFrauMiczekzur:
Dirne ihresMannes.Sie irrtealsProletarierkind inderWeltherum,nützte ihreGlieder
und ihre Jugendab,währendsie inFabrikenumStundenlohnarbeitete,undsuchtedie
Liebe,weilsieeinWeibwar.AberdasHerzeinesWeibeskannauchentartetsein.Eskann
aus lauterHaßgegensichselbstundallebestehen. (LDM147)
Ausbeutung,UnterdrückungundAusweglosigkeit führenin ihremFalldazu,
dasssie ihreMutterrolleablehnt.AndieStellevonMutterliebe trittderHass
gegensichunddieGesellschaft,die ihr„keineMöglichkeitgibt, sichalsFrau
undMenschzuentfalten“.616DaderKindsmord,alsAusdruckdieses inneren
Hasses,derangenommenenweiblichenBestimmungwiderspricht,wirdervon
derGesellschaftalsKrankheitssymptomgewertetundgeächtet.DieReaktion
derFrauenimViertel zeigt,dass sie selbstandasMutteridealglauben:
‚Siehat ihrKindimLeibeumgebracht.‘Es tauchtedieVermutungauf,daßFrauMiczek
eineKindsmörderinwar.Siehatte in ihrenWutanfällender letztenZeitesmehralsein-
maldenLeutendirektinsGesichtgesagt:Siewerdeessomachen,sieverstehesichdarauf,
kleineKinder ausdemWegezu räumen…DieKohlenhändlersfrauhatte es angezeigt;
sie fühlte sichalsMutterverpflichtet, soetwasanzuzeigen. (LDM199)
FeldmannzeigtdieUnbarmherzigkeitderFrauenuntereinander–„AlleFrauen
sprachenschlecht von ihr. Siewaren strenger als einRichter.“ (LDM199)–
sowiederenSelbstgerechtigkeit: „‚MitdemManne– ja,daspaßte ihr–aber
dieFolgentragenwollte sienicht.“ (LDM199)BeiderGegenüberstellungder
beidenFrauen,dieunterschiedlichaufdieUmständereagieren,kommtes in
LeibderMutterwederzurVerdammnisderKindermörderin–„Warsiedenn
einTeufel, eineMenschenfresserin?“ (LDM39)–nochzurGlorifizierungder
DulderinFrauFehrenheit,derbrütenden„Henne“(LDM98),diewiederund
wiederKinder indieWelt setzt,dieanKrankheitensterbenoderanMissbil-
dungenleidenundniemalsdieSonnesehen(LDM136). IhrePassivitätund
616 MontesseratBascoyLamelas:DieFrauunddieMutter:DarstellungendesweiblichenKörpers
inElseFeldmannsRomanDerLeibderMutter. In:DolorsSabatéPlanes (Hg.):Apropos
Avantgarde.Berlin.Frank&Timme2012.S.
191–207.Hier:S. 203.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien