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186 Romane
HandlungdesRomans
NachdemTodderMutterverkauftsichdieProtagonistinMarthaalsProsti-
tuierte undhilftdamit, einenGroßteil des Familieneinkommens– zudem
Antonia, ihreältereSchwester,mit ihrerArbeit imSpitalnurwenigbeitragen
kann–zusichern.Antoniagelingt trotzderGeburteinesunehelichenKindes
ein,wennauchbescheidener,gesellschaftlicherAufstieg,der fĂĽrMarthaam
EndedesFragmentgebliebenenRomansendgĂĽltigversperrt scheint.
Nicht nur imRomanMartha undAntonia, sondern auch in den beiden
anderen,Leib derMutter undLöwenzahn, sowie in vielen ihrer Feuilletons
thematisirtFeldmanndasgesellschaftlichePhänomenderProstitution.Nach-
demihminMarthaundAntoniadermeisteRaumgewidmetwird, solldieses
durchgängigeMotiv indiesemZusammenhanguntersuchtwerden,wobeiauf
relevanteStellen in ihremĂĽbrigenWerkverwiesenwerdensoll.
DerzeitgenössischeProstitutionsdiskurs–An-undAblehnungen
MitderProstitutiongreiftFeldmanneinThemaauf,dasbereits seitder Jahr-
hundertwendepräsent ist,woeszueinemstarkenAnstiegderkäuflichenLiebe
kommt. StefanZweig spricht inderWelt von gesternvoneiner „Armeeder
Prostitution“,625dieWienzudieserZeitüberschwemmt.NachdemErstenWelt-
kriegwirddieProstitutionzumMassenphänomen:„WardieProstitutionschon
vordemKriegeinenichtwenigverbreiteteSeuche, sohat sieheuteeinewahr-
lichsehrgroßeAusdehnungerreicht.“626BesondersdieStatistik jugendlicher
Prostitutionzeigt,wieFeldmannselbst schreibt, „erschreckendeZiffern“.627
Mitderum1900virulentwerdendensexuellenFrage–die immeraucheine
sozialewar–verlagert sichderDiskursumSexualitätundProstitutionvon
der theologischenMoralaufdieSexualwissenschaft,diesichzudieserZeitals
eigenerWissenschaftszweigherauszubildenbeginnt. IndieLiteraturhatdie
ProstitutionunteranderemdurchdieberĂĽhmt-berĂĽchtigtenSchilderungen
der JosefineMutzenbacherEinzuggehalten,dieals„deutschsprachige[r]Höhe-
punkt“628deszeitgenössischen,bisaufwenigeAusnahmenhauptsächlichvon
Männernverfassten,GenresderDirnenliteraturgelten. Jaconoverweist auf
625 ZweigStefan:DieWelt vonGestern.ErinnerungeneinesEuropäers. Frankfurt amMain.
Fischer1992.S. 106.
626 F. P. (=FranzProbst?):ProstitutionundGesellschaftsordnung.UrsachenderProstitution.
In:ArbeiterinnenzeitungHft.:22.1919.S. 3–4.Hier:S. 3.
627 ElseFeldmann:BildervomJugendgericht.DerersteStaatsanwaltandieGeschworenen. In:
DANr.:50.04.03.1918.S. 4.
628 Domenico Jacono: Der Sexmarkt imWien des Fin de Siècle. In: Kakanien revisited
12.10.2009.S. 1–14.Hier:S. 1.http://www.kakanien-revisited.at/beitr/essay/DJacono1.pdf
(Stand:01.06.2017).
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien