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MarthaundAntonia(1934) 187
denBordellromanDerheiligeSkarabäusvonElse Jerusalem,dernachseinem
Erscheinen1909zumBestsellergewordenist.629
VoneinemAnstiegder„rechtverschiedenartige[n],auchverschiedenwer-
tige[n]“LiteraturüberProstituierte,diesichbesonders inForm„eine[r]Art
soziale[r]Reportagemit ihremSchicksalbeschäftigt“630, ist inderChronik-
beilagederNeuenFreienPressevon1929zu lesen.LudwigBauerbeanstandet
darin,dassdieseübereine„wohlfeil[e]Entrüstung,dienichtshilft“,631nicht
hinausgehe.
MitProstitutionundGesellschaftsordnungbeschäftigensichzweiaufein-
anderfolgendeArtikel inderArbeiterinnenZeitung,die imKapitalismusdie
Ursachenund imSozialismusdieLösung fürdasProblemderProstitution
orten.632Anders siehtdasBernhardA.Bauer,derderProstitution in seiner
Studievon1923,WiebistduWeib?,einganzesKapitelwidmet.Ersiehtesals
biologistischbegründetesPhänomen,das,wieder„Geschlechtstrieb[…], im
Menschen[…]ewig[…]bestehenbleiben“633werde.
AndiesenbeidengegensätzlichenPositionen istdasWesentlichederzeitge-
nössischenProstitutionsdebattegutablesbar.Diesespaltet sich inzweiLager,
innerhalbderermandieProstitutionentwederalsbiologistischdeterminiertes,
‚notwendigesÜbel‘ akzeptiertoderabersiealsunmenschlichundschädlich
bezeichnet.LetzteremgehörendiemeistenFeministinnenan,die sichbereits
in derZeit derHabsburgerMonarchiemit demThemabefassen:Wie zum
BeispieldieGründerinnendesAllgemeinenÖsterreichischenFrauenvereins,
AugusteFickert,RosaMayrederundThereseSchlesinger-Eckstein-, aberauch
die feministischeSchriftstellerinundEssayistin IrmavonTroll-Borostyáni,die
dieUrsachenderProstitution inder sozialenundökonomischenSituation
dieserFrauensowiederherrschendensexuellenDoppelmoral sehen.634Als
symptomatischfürdengesamtenhistorischenGenderdiskurs,alsdessenTeil
siedieProstitutionsdebattebetrachtet, siehtMillneran,dass„imArgumenta-
tionsnotstandgegendieemanzipatorischenForderungenderFrauenimmer
629 DerRomanerfuhr,herausgegebenvonBrigitteSpreitzer imVerlagDVB,2016eineNeuauf-
lage.
630 LudwigBauer:DieFrauen,vondenenmannichtspricht. In:NFP02.03.1929.S. 10–11.Hier:
S. 10.
631 Ebd.:S.10.
632 Vgl.:F. P. (=FranzProbst?):ProstitutionundGesellschaftsordnung.UrsachenderProstituti-
on. In:ArbeiterinnenzeitungHft.:22.1919.S.
3–4;ders.:ProstitutionundGesellschaftsord-
nung.BekämpfungderProstitutionundihrerFolgen. In:ebd.:Hft.:23.S. 5–6.
633 BernhardA.Bauer:WiebistduWeib?Wienu. a.Rikola1923.S. 471.
634 Vgl.:AlexandraMillner:Prostitutions-Utopienund-RealitätenderHabsburgerMonarchie.
Zu einemText vonPaulZschorlich. In:Kakanien revisited 28.11.2007 S. 1–3.Hier: S. 3.
http://www.kakanien-revisited.at/beitr/fallstudie/AMillner2.pdf (Stand:01.06.2017).
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien