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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Seite - 194 -
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194 Romane Betty steht inderMittedesZimmers, dieBeinegespreizt, sie lachtundsiehtderart ab- stoßendaus,daß ich sie amliebsten insGesicht schlagenmöchte.Wenn ichsie ansehe, weiß ich, daß ichnochnicht ganzverdorbenbin, obwohl ichdasgleiche treibewie sie. (MUA362) AnandererStellewirddasveränderteAussehenderProstituiertenvonFeld- mannaufdiepsychischeErniedrigungdurchdieMännerzurückgeführt: […]deshalb ist unserGesicht so verzerrt,wie innerlichblau geschlagen, davonhaben wiralledasMerkmal,dasDirnenaussehen.Sie [dieMänner,Anm.v.m.]kommennicht allein ausdemTrieb. Siewollen auchunsere Seelenprobieren, siewollenmit unsVer- suchemachen, soarmseligkannkeinersein,daßernichtüberuns triumphiertalsüber dasGeschöpf,das erkauftunddasdaher, sei esnur für einpaarMinuten, ärmer ist als er. (MUA70f.) Damit rezipiert siedieAuffassungAlfredAdlers,derdieFreieralsMännermit mangelndemSelbstbewusstseinundkrankhaftemGeltungstriebbeschreibt, diemittels „bezahlte[r]EroberungeinerFrau ihremSelbstgefühl schmeicheln“ unddamit„billigeTriumpheüberWillenloseoderwillenlosgemachteObjekte […]ernten“660wollten. ÄußeresMerkmalundgleichzeitigesErkennungszeichenderProstituierten, dasFeldmannmehrfachhervorhebt, ist ihreSchminke:„ichwerdeschonet- wasmachen,umkenntlichzusein; […]hinuntergehen,mireinHurengesicht anschminken“(MUA289f.): Ich bin fertig, wie sehe ich aus! Ich bin jawie ein Biest, wie einNachtgespenst. Ganz gelbhab’ ichmichgepudert,mit rotenLippenwieSiegellackundAugenwieKohle,pfui Teufel!Abereineswerdeicherreichen, ichwerdedieKreaturenanlocken.(MUA292)661 Die inder theoretischenLiteratur dieserZeit über dasPhänomenderPro- stitutionhäufigangeführten, angeblich ‚charakteristischen‘Wesenszügeder ProstituiertenfindensichzumTeil auchbeiRomanfigurenFeldmannswieder: Als ‚Arbeitsscheu‘kannMarthadieReaktionaufdenVorschlagihrerSchwes- ter, sichebenfallsumeineAnstellung inderKrankenhausküchezubemühen, ausgelegtwerden.Entsprechendheftig fällt ihreReaktiondaraufaus: „Ich lasse siekaumzuEndesprechen, sobrülle ich sie an: ‚Schweig,dasgehtdichgar nichtsan: ichbleib,wie ichbin.‘“ (MUA82)Vorsichselbst rechtfertigtMartha ihreHaltungmitderAussichtslosigkeiteinerderartigenAnstellung:„Dieses dummeMädelhängtdaran,daß ichGeschirrabwäscherin ineinerSpitalküche 660 AlfredAdler:GesellschaftundKultur1892–1937.O.  a.: S.  137. 661 Vgl. auch:MUA150,288,293,352. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand