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MarthaundAntonia(1934) 195
werde,mirÜberreste,dienachÄtherriechenheimschleppe.Siedenktnichtan
Aufstieg.“ (MUA83)
Deutlicherzeigt sichder inderzeitgenössischenLiteraturbehaupteteHang
zumMüßigganganeinemMädchen,dasLaich ineinemKaffeehauskennen-
lernt, eine„träge, schlampigePerson“(LDM221),diemiteinem„alten,affen-
artighäßlichenMann“zusammenlebt,demsiedieWirtschaftführt:
[…]weilsieaberauchmitihmschlief,warernichtallzustrenge.AlssienochinsGeschäft
ging,mußtesietäglichumsechsUhraufstehen–jetztkonntesiefastzweiStundenlänger
schlafen. […] Siemußte nicht jeden Tag kehren und Staub fegen, das gabwiederum
ihremträgenLebeneingemächlichesAusruhen. (LDM222)
DerVorwurfderGeldgierwirdvonMarthaselbstbestätigt: „DerGedankean
Geldhatmichseit jeheraufsHöchsteerregt.“ (MUA244)„Wievielwerde ich
verdienen? Ichdachteannichtsals andasGeld,das ichbekommenwürde.“
(MUA30)
SchonalsKindhabe ich jedesmal,wennkeinGelddawar,danachgesucht. […]anden
letztenzweiTagen,eheichzurWaringerging,habeichdieStraßenabgelaufen,denErd-
boden und das Pflaster abgesucht, ichmußte dochwenigstens ein solch braunes, un-
scheinbaresNickelstückfinden[…]. (MUA228)
VondaanbleibtdieProstitution ihreverlässlicheEinnahmequelle: „Ja,wohab’
ich immermeinGeldhergeholt,wennichesbrauchte?“ (MUA289)
Geld istdabeinichtnurMittel zurUnterdrückungvonEkel,Marthagraut
esvoreinemFreiermitKnödelamHals,was ihreKolleginrelativiert: „Tudir
nichts an, aber seinGeld–erhatmir gesagt, daßerdich schrecklichgerne
habenwollte…“(MUA349).Vielmehr ist es aucheinAphrodisiakum,das
Marthahilft, sichderSinnhaftigkeit ihrereigenenExistenzrückzuversichern:
Undkommtnach langemWarten jemand,denmanhinaufführenkann, ist eswieErlö-
sungvonderQualderEinsamkeit.DasGeld,dasicherhalte,reißtmichausallerStumpf-
heit–machtmichfrischundlebendig–wieverliebtbinichindasGeld,dasichverdiene.
(MUA96)
InseinerCharakterisierungvonprofessionellenProstituiertenhebtAdler im
GegensatzzurGelegenheitsprostitution,das„unterscheidendeMerkmal“der
„kontinuierlichen ,Erwerbsbeflissenheit‘“hervor,diedieProstituiertenichtnur
in ihremBerufhält, sondernsieauch„diegleicheBefriedigung,mitderauch
einGeschäftsmannseinenAufgabenobliegt“,662 empfindenlässt.Dabei lässt
662 AlfredAdler:GesellschaftundKultur1892–1937.O. a.: S. 236.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien