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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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202 Romane glaubten,„einneues, schönes, sorglosesLebenbeginnenzukönnen“,677dass in Wahrheitaber ihrpersönlicherNiedergangindemMomentbeginne, indem siesicheinemBordellinhaberodereinerZimmervermieterinverpflichteten und dieVerschuldung desMädchens, […] Stunde für Stunde zunimmt, da ja der Bordell- inhaberdie Sorge fürKleidung,WohnungundErhaltungdesMädchensübernommen hatunddie einzelnenPostenentsprechendhochansetzt, sohoch,daßes trotzgrößten FleißesdemBordellmädchenwohlnichtmöglichwird,auchnureinenTeilderaufgelau- fenenSchulden jemalsabarbeitenzukönnen.678 Marthamietet sich bei der von ihrenKolleginnen gefürchtetenKupplerin AuroraFenchel ineinschäbigesKabinettein:„anfangsdachte ich,daswäre ja keinsoböserOrtwiemanmanchmalhört“ (MUA38). ImLaufederZeitwird ihraberklar,wie sich„DieseSache,diemanleichtundarglosanfängtundvon dermannichtahnt,wiesieeinemdasLebenfür immerzerstört.“ (MUA237), auswirkt. „Schrecklich“wirdderOrt„durchdasErscheinenderWirtin“ (MUA38). DieKupplerin,vonMarthasowohlmiteiner„flinkenKatzemitregemAppetit“ alsaucheiner„altenEule“verglichen,die„mit ihrenbösen,schielendenAugen, derschnabelartigenNase, jenemunheimlichenNachtvogel[gleicht],derandere überfiel“ (MUA39),erscheintals„GespenstdesSchreckens“(MUA40): Nein,daßesetwasDerartigesgab:DieFrauFenchelwar inderStunde,dawirunsken- nenlerntensehr freundlichzumir.Unddoch–beidemfreundlichstenMundwar ihren Augennichtzutrauen.Wennsieeinenansah,bekammaneinschalesGefühlvonLebens- überdruß.SolcheMienenhabenMenschen,dieeinenzumSelbstmordtreiben. […]Ich fürchtetemichvor ihranfangswievoreiner zustrengenLehrerin,dannverstärkte sich alles, derWiderwillen,dieFurcht, und ichbekametwas zu schmeckenwieTodesangst. (MUA39) DieMädchen,die ihreinenGroßteil ihresVerdienstes fürdieZimmervermie- tungbezahlenmüssen,werdenvon ihrabwechselndmitGefälligkeitenund DrohungeninSchachgehalten:„WarumichnichteinfachmeinerWegeging, als ichdasallesdeutlichmerkte? Ja,dawar ich ihrschonviel zuviel schuldig.“ (MUA39) FenchelentsprichtdemnegativenBildderKupplerin,die,wieKernjakan- merkt, inderLiteratur„[w]esentlichgenaueralsderZuhälter […]beschrieben 677 BernhardA.Bauer:WiebistduWeib?O.  a.: S.  490. 678 Ebd.:S.  490. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand