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MarthaundAntonia(1934) 203
wird“.679NachBrettschneiderwerdenFrauen, andersalsdermännlicheZu-
hälter,nichtausschließlichausmateriellenGründenzurKupplerin–zwar ist
auchFenchelvonGeldgierangetrieben:„Wennein ‚bessererHerr‘beimirwar,
pflegtesiemirnachheraufderTreppeaufzulauern,michzusichineindunkles
Vorzimmerzuziehenundtierähnlichzuzischen: ‚Washat erdir gegeben?‘“
(MUA40)–; bei ihnen spielen „oft sexuelleMomentemit“.680 Fenchel hilft
MarthabeimAnziehen,„sie fandmichnettundsauber“undbiedert sichbei
ihrals„alteFreundin“an:„[…]ichsolledoch jederzeitmitallem,wasmich
bedrückt,nurzu ihrkommenwiezueinerTante; liebesKindnanntesiemich.“
(MUA39)DieKupplerin ist,wieFeldmanninLeibderMutter anmerkt,meist
„frühereProstituierte“ (LDM81).
DieFigurdesZuhälters streiftFeldmanninderBeschreibungder„sexuellen
Hörigkeit“681 ihrerKolleginBetty.Sieerklärt,warumsieMarthaeinenFreier
zugeschanzt hat: „Ja, duweißt doch, dawarderBilly bereits da, undwehe,
wennich inseinerGegenwartmiteinemflirte.Flirtenheißt inunseremKreise
mehr,alswasmansonstdarunter indermodernenSprechweiseversteht (es
heißt: intimsein).“ (MUA349)
NachdemdasAnimieren in einerKneipe gemeinsammit ihrerKollegin
RosaliezueinerOrgieausartet–„Ichhabe furchtbareAngst, siekönntenalle
aufeinmalkommen.“(MUA63)–,beiderMarthaGiftinsGlasgeschüttetwird,
beschließt sie, „ausdieserGegendfortzukommen, fortausFenchelsKabinen“
(MUA63),was ihr,verbundenmitZahlungeinerhohenSummesowieeiner
tätlichenAuseinandersetzung,auchgelingt:
Dabeimußte ichmit einemgroßen StückGeld bei der Fenchel verbluten.Wie hat sie
mirzugesetzt.WasgabesfüreinGeschreiimHause.AnmeinenArmensindnochheute
blaueFlecke, anderStirnKratzer, aberwegkamichdochzumGlück.Nunbin ich frei.
(MUA64)
AlsinWienam1.März1921alleBordellegesperrtwerden,hatjedeProstituierte
„dasRecht, […] ineigenerRegiedasGeschäftzuführen“.DemnachistMartha
eine„freiwohnendeDirne“,die sich„überall,woes ihrpasst“,682 ihrQuartier
suchenkann.Siegeht insNobelviertelundnimmtdorteinZimmer ineinem
Gelegenheitshotel: „[…]dassiehtbeiweitemvornehmeraus–meineeigene
Erfindung–wie ichglaube.NatürlichverlangensieunverschämtePreise im
Hotel.Abermirbleibtauchnochetwas.“ (MUA134)
679 KatjaKernjak:DerProstitutionsdiskurs inderösterreichischenProsader1920er Jahre.O. a.:
S. 23.
680 RudolfBrettschneider:Das feileWeib.TrieblebenundUmweltderDirne.O. a.: S. 80.
681 Ebd.:S. 188.
682 BernhardA.Bauer:WiebistduWeib?O. a.: S. 493.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien