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MarthaundAntonia(1934) 209
vorläufigohneErfolg, esdauert Jahrzehnte,bis solcheSachendurchdringen.“
–, lässtMarthanichtgelten:
MeinZorn steigert sichvonMinute zuMinute,mir zitterndieKnie, ich schreiemeine
Worteheraus: ‚Ja,Reformerseid ihr!Pfuiübereuch,elendeSchwätzer,die ihrnichtden
Muthabt,daszutun,was ihrpredigt, ichpfeif’ aufeuch,gehtzumTeufelmitsamteurer
gebildetenSprache!‘ (MUA134)
VondaanstehtdieFigurderÄrztin,die„kurzeZeitdieMachtübermichin
denHändengehabt“hatte, als „unheimlicheFrau,diemich,ohnedaßsiees
wußte, erhobenhatte,ummichdanachumsotiefer fallenzu lassen;“ (MUA
255),drohendüberMarthasSchicksal.
KurzvordergemeinsamenHeimreisemitHorowskystellt sichMarthadie
bange Frage: „Wiewird das alles werden?Wenn er nur nicht durch einen
Zufall FrauDr.Weisfeit trifft.Oder vielleicht sucht er sie direkt auf, seine
Landsmännin,underfährtdannalles?“ (MUA304)
WiestehtesaberumdenLandgerichtsratHorowsky?Ist in ihmdieGestalt
des ‚Befreiers‘ zusehen,derMarthaeinebürgerlicheExistenzermöglicht?Da
derRomanFragmentgeblieben ist,könnenindieserHinsichtnurMutmaßun-
genangestelltwerden,wiedasAdolfOpelundMarinoValdéz inAnalogiezu
anderenTextenFeldmanns in ihremNachwort tun(vgl.: 378ff).Beidesehen
aber„kaumHoffnungaufeinepositiveEntwicklung“ (MUA373), eineVer-
mutungderauchm. E. insofernbeizupflichten ist, alsdieKonstruktioneines
‚Happyend‘denFeldmannsSchreiben inhärenten sozialkritischen Impetus
unterminierenwürde.
HinweisdaraufgibtnichtnurdieErzählungLiebeohneHoffnung,woLiebe
mitgroßemStandesunterschiedalsaussichtslosdargestelltwird, sondernauch
derRomanselbst, indemMarthaüberihreersteZeitalsProstituierteresümiert:
„Anfangsglaubtmanfieberhaft,eskönnteunteralldenMännerneinHeiliger
sein.UndmanchesollenauchdasGlückgehabtundeinensolchenHeiligen
gefundenhaben,abererentpupptesichamEndealseinZwitteroderalsNarr.“
(MUA71)DamitnimmtFeldmannbereitseine treffendeCharakterisierung
desDr.Horowskysvorweg:Vielmehralseinem‚Heiligen‘entsprichtdieserder
Gestalt eines„Richter[s]oderein[es]Teufel[s],derUrteilevollstreckt“ (MUA
291), sowiedereines liebestollenalterndenMannes,der sichseinerVirilität
vergewissernmöchte: „Er istgerade indemAlter,wodieMänner[…]nicht
mehrallzuwählerisch[sind], siemerkeneinkleinesstetigesNachlassender
Kräfte[…].“ (MUA227f.)
AlscharakteristischeWesenszügederFreierbeschreibtAdlerdenHangzu
„JähzornsausbrüchenundtyrannischerHerrschsucht“ sowie„Unduldsamkeit
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien