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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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236 PoetikdesSchreibensvomRand Rosalie, eineKollegin imBordell,machtaufMarthavorallemmit ihrer„Män- nerstimme“einen„unangenehmenEindruck“.„BesonderswaresihrAuflachen, dasmirjedesmaleineErschütterungverursachte.EsquältemeineNerven,wenn ichinderNebenkabinediesesLachenhörte.“(MUA47)DieStimmederÄrztin, die siealsHilfskraftin ihreOrdinationaufnimmt,erscheintMarthahingegen als„wunderbarwohltuend“(MUA103). Simmelmachtdies anderTatsache fest, dassdieErinnerunganGesagtes vieldeutlicherundeinprägsamer istalsdasBildeinesMenschen.WennMen- scheneinandernursehen,kommteszueinemvielunspezifischerenGefühl derEinheit, alswenndieMöglichkeitdesMiteinander-Sprechensbesteht,das „individuelle,belebte,organischeEinheitsgefühle“764 erzeugt. UmdieEntstehungvoneinemGefühlderVerbundenheit zuverhindern, ziehtMarthadasArbeiten inderGassedemlukrativerenVerdienen imNacht- cafévor: „LägenichtnochdieGefahrnahe,durchdas lange,geselligePlaudern vorher, sichzuverlieben?“(MUA153) MittelsBeschreibungakustischerEindrückegelingtFeldmannin ihrenTex- tennichtnureineErweiterungderatmosphärischenDarstellung,sondernauch dieprägnanteZusammenfassungvielschichtigerGegebenheiten: Um sechs Uhrmorgens weckte ihn ein Lärm auf Treppen undGängen, der Gesang derDienstmädchen.EswareinunruhigesHotel; fortwährendhörtemanNamenrufen, Schreien,Zanken;dieTürenflogen. (LDM233) AufdenGängenwarderalteLärmunddieUnruhe,diemanbisinsZimmerhörte.(LDM 191) Wenn ich aber in einemderBetten lag, zusammenmit zwei Schwestern, hörte ichdie Mutterstöhnen–trotzdesfurchtbarenLärmsderMaschineinunseremkleinenZimmer, denntrotz ihrerSchmerzenhörtesienichtzuarbeitenauf. (MUA20) AuchexistenzielleVorgängeerschließensichüberGeräusche,dieeinestarke Unmittelbarkeit zumGeschehenerzeugen:DieGeburtdeskleinenBruders inLöwenzahn,diesichdemVerstandderGeschwisterentzieht, erlebensieals „schreckliche[n]Lärm“,vondemsiemitten inderNachtgewecktwerden:„Es wardrinneneinLärmen, einHerumarbeiten, einGeplätscher.Durcheinen Türspalt drang Licht zu uns…“Demgegenüber steht die Stille amnächs- tenMorgen,dievondemerstenLebenszeichendesneuenGeschwisterchens aufgehobenwird: 764 Ebd.:S.  160. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand