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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Seite - 238 -
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238 PoetikdesSchreibensvomRand Gleichesgilt fürMartha imRomanMarthaundAntonia:„Manchmal ist es mir, alsmüßte ichaufschreien, sodaßalleStraßendavon,daßdieNachtselbst erzittere.AberdannwirddochnichtswieeinAchselzuckendaraus.“ (MUA49) WiedasOhrerweitertauchderGeruchssinndieDimensionderWahrneh- mung.AlsderdumpfsteundinstinktivsteSinn,dermitWortennichtausdrück- bareErregungen,dieunterhalbderBewusstseinsschwellebleiben,erzeugt, ister voneminenterWichtigkeit. IhmschreibtSimmeleinenwesentlichenAnteil an elementarenSympathienoderAntipathienzu,diejenseitsallerBegrifflichkeiten zwischenPersonenentstehen: Seit er sie kannte, hatte er [Laich, Anm.v.m.] diesenGeruch vonMilch an ihrwahr- genommen,wie bei einem trächtigenTier.GeschwolleneBrüste, geschwolleneLippen. […]InderEinsamkeitderNachtdrängtees ihnzuihr.Erwußteselbstnicht,waser tat, alser sich inderDunkelheitvorwärtstastete. (LDM25) Wiedie instinktiveHingezogenheitLaichszuderschwangerenFrauMizceck äußertsichauchdasambivalenteGefühlMarthasgegenüberDr.Horowskyüber ihrGeruchsempfinden:„[…]seineHändeundseineKleiderundalles [riecht] nach dembeizenden undwiderlichenTabakrauch. Sein Scheitel hingegen mitdenpaarhingelegtenHaarenundseinSchnurrbartduftenzustarknach KölnischemWasser.“ (MUA277)NachderaufderRückreisevonMeranim HotelzimmergemeinsamverbrachtenNachtmeldet sich ihre„alteKrankheit“ alsProstituiertewieder: IchkanndieseMännerbei derMorgentoilettenicht ausstehen. Ichhabe einen solchen Ekel.IhrenackteHautunddieAusdünstung,dieihrentströmt,reißtmichzuZornesaus- brüchenhin.Nun,natürlichweiß ich,es istnichtdieHaut,diemichinHarnischbringt, dieEigenschaftensindes. (MUA313) Rosalie,dieKolleginMarthas,diesiebeieinemGelage,womanMarthaGift insGlasmischt, imStichgelassenhat, riecht„wieranzigerTalg,wieFäulnis“ unddieAusdünstungendesFreiers erscheinen ihr„wiedieeinesekelhaften Tieres“ (MUA63). Geruchs-Wahrnehmungen sind auchdemKennenlernen zwischenMar- thaundWladimirunterlegt,womitFeldmannsublimeVorausdeutungenauf Kommendesgibt:BeiihremerstenSpazierganggehensie„langeunterdenwun- dervollenDüftenderLorbeergebüsche.Esriechtaucheinbißchenfauligvom Teich.“ (MUA186)DiesesolfaktorischeMotivdesGeruchsnachLorbeerund fauligemTeichwasserswirdanspätererStelle imRomanwiederaufgenommen, woderDuftderblühendenRosen imGartenderPensiondavonüberdeckt wird: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Titel
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Untertitel
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Autor
Elisabth H. Debazi
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Abmessungen
15.8 x 23.4 cm
Seiten
306
Schlagwörter
L
Kategorie
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand