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Raumals„klarsteDokumentierungrealerKräfte“ 239
Aber derDuftkommtnicht bis hinauf, es gibt noch betäubendereDüfte, der Lorbeer
zumBeispiel, unddann istderGartenauchviel zugroß,wennerkleinerwäre, könnte
man es vor Blumenduft gar nicht aushalten. Ein großer Teil fauligenGeruchs kommt
vomTeichher,das istvielleichtdasstärksteundüberbietetallesandere. (MUA296)
DerTeich, alsOrt ihres erstenRendezvous,wird damit negativ konnotiert
undmitFäulnis sowieVerderbenassoziiert.WeiteresSymbolderungesunden
Beziehungzwischendenbeidenist„jenedunkelrote [sic!]RosenohneDuft“,
dieWladimir fürMarthaunter lächerlichen, juvenilwirkenwollendenAn-
strengungenanderSchlossmauerpflücktunddiesie„zumAndenken–wie
mansagt“ (MUA327)aufbewahrt.
Unheilvolleskündigt sich imRomanLeibderMutter sowohlüberdieWahr-
nehmungderGeräuschealsauchdiedesdortvorherrschendenGeruchsan,
alsLaichdasersteMaldasArmenviertelbetritt:
Erwar bei demHause, das er suchte, angekommen, ging durch den großen, offenen
Hof.Kinder spieltenaufdenStiegenundGängen,Türenwurdenzugeschlagen, es roch
schlecht, undeswar ein eigentümlicherLärm,dernicht inPolternundRufenbestand
[…]. (LDM16)
Hierwiederholt sichdas bereitsweiter oben imText angeführteMotiv des
Schreis: „[…]eswareineinziger,verhaltenerSchrei,derüberall lag,alshätte
manhiergemordetundgewürgt.“ (LDM16)
SpäterwirdLaichdiedrohendeGefahrfürdasBabyvonFrauMiczek,welches
alleininderKammereingeschlossenenist,anhanddesGerucheswahrnehmen:
„In der ganzenWohnung roch Laich den verräterischenDuft von grünen
Mohnköpfen.“ (LDM79)AlserdieZimmertürgewaltsamaufbricht,findeter
dieFenster festverschlossen:
[…] ein abscheulicherGeruch erfüllte das Zimmer […]. ImWäschekorb lag das klei-
neKind.Laichnahmes indieArme,umesbeiLicht zubesehen.Dabeimußte er sich
überwinden,dennesrochfürchterlich.DerselbeGeruch,dersich imganzenRaumver-
breitete. […]DasKindwarbetäubt.Es schliefmiteinemSchlaftrunk inseinemKörper.
(LDM114f.)
Johanna,die,ohnezuwissen,wasihrbevorsteht,indenOperationssaalgebracht
wird,wittertdieGefahr:„AberSchwesterPia–daskannmanjanichtaushalten,
diesenentsetzlichenGeruch. Ichersticke indieserLuft–laßmichdochwieder
fort…DagabsiemirdieMaskeübersGesicht.“ (LZ289)NachdemTodder
Schwester nimmtMarianne eine „schlechte Luft imZimmer [wahr] – eine
Verwesungsluft“(LZ2108).
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien