Seite - 276 - in Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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276 „Aberwas istamSchlußallerdieserneuenDinge?Ach,nichts…“
einanderklaffenvon Ideal undWirklichkeit sowie fürdie gesellschaftlichen
Missstände ihrerZeit.
Wie gezeigt, reüssiert Feldmann sowohl alsTheater- undRomanautorin
als auchalsFeuilletonistinund (Sozial-)Reporterin,womit sienichtnur an
verschiedenenGenreswieTheaterstück, (Ghetto-)Erzählung, (Sozial-)Repor-
tage,FeuilletonundRoman,sondernauchanunterschiedlichen literarischen
Strömungen,vorallemaberder ‚NeuenSachlichkeit‘,partizipiert.
IhredemzufolgeaufunterschiedlicheArtundWeisegestaltetenSchilderun-
gen,die sichmitAusnahmeeiniger früherErzählungen,durchwegsmitder
LebensrealitätvonindenRandbezirkenderGesellschaftlebendenMenschen
befassenundMissstände(wiez. B.:Unzulänglichkeiten inder Jugendgerichts-
barkeit,Arbeitslosigkeit,Wohnungsnot,Prostitutionu. a.) thematisieren,zielen
implizitoderexplizit immerauchaufgesellschaftlicheVeränderungenab.
ImUnterschied zu anderenAutorenundAutorinnen, diewie Feldmann
vondemElendihrerZeitberichten,belässtesFeldmannnichtbeiderBenen-
nungvonMissständen, sondernengagiert sich,über ihr journalistischesund
schriftstellerischesSchaffenhinausgehend, füreineVerbesserungderLebens-
umständevorallemvonKindernundFrauen.
Als einBelegdafür, dass ihreTextenie Selbstzweck sind,magdabei eine
Anekdotedienen,diederHerausgeberdesMorgen,CarlColbert, in seinem
ArtikelüberdieAktionWienerKinderaufsLandwiedergibt.AlserFeldmann,
die sichbei ihmfürdieAufnahmederKinder einesbestimmtenHauses in
dieAktioneinsetzt, entgegenhält,dasses„wohlauchanderswovieleKinder“
gebe, diedafür inFragekämenundauf seine „reichhaltigeSammlungvom
Wohnungselend“verweist,gibt sienichtnach, sonderninsistiert–dabeiden
herausgeberischenErwägungenColbertsentgegenkommend–,dass„das […]
sicherlichPerlendesElends,wahreSchau-undPrachtstücke[seien], aber ihr
Hausseiesnichtminderundsiewollees janichtausEitelkeit zeigen, sondern
weildortgarsovielKindersind––“892
InHinblickaufFeldmanns,wiesie selbst sagt, „heftigeHingezogenheit für
UnglücklicheundLeidende“893kommtdemambivalentenGefühldesMitleids,
dasvonSznaider imKontextdesKapitalismusalspositiverBeitragzursozialen
Ordnung rehabilitiertworden ist, sowohl in ihremeigenenLeben als auch
indemRomanLeibderMutter eine zentraleBedeutungzu, indemsieden
ProtagonistenLaich–derwohlZügederAutorinselbst trägt–alseinenanden
892 Alpheus(=CarlColbert):WienerKinderaufsLand. In:DMNr.:22.28.05.1917.S.
5–6.Hier:
S. 5.
893 ElseFeldmann:Gedenkblatt. In:ÖsterreichischerArbeiterkalender.Wien.1925.S. 56–58.
Hier:S. 56.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien