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3.4 Briefe1941
besser, so doch übersichtlicher geworden ist. Ich habe ziemlich genau
herausbekommen,waseigentlich los ist, und ichkanndanachhandeln,
– oder vielmehr handeln lassen. Die Dinge können sich sehr schnell
entwickelnundandreWendungennehmen. IchhabeallesNotwendige
veranlasst. Eshängt,wasgeschehenwird, vonderGeschicklichkeitder
Mittelspersonenab, –dienichtungeschickt sind.
Ginge alles gut, mein Hase, so wäre es schon sehr schön, wenn Du
am28.oder29. kämest. IchwürdedannauchsogleicheinZimmerlein
fürDich reservieren lassen, –glaubeaber,dass esdanngenugZimmer
gebenwird.Daswäre sehr fein. |
WirkönntenSchwämmepflücken,unddieNüssewürdendazuvon
den Bäumen fallen. Das Laub, das ja in diesem Jahr so spät herausge-
kommenist, istnochganzgrün,undnichteinmaldieLindenfangen,wie
inandernJahren,umdieseZeit an, fadenscheinig zuwerden; sondern
sie sind jetztnochwie sonst etwa imJuli. Es sind schöneTage, aberes
regnetzwischendurchauch,doch istdasnicht schlecht,dennesentsteht
aufdieseArt einemildeTemperatur.
Mit den historischen Kapiteln in den „Beiden Sizilien“ hatte ich das
Unternehmen gemeint, eine Vorgeschichte des Regiments zu erwähnen,
welche die moderne Handlung vorbereitet hätte. Oder, mit andern Wor-
ten:eshättesich indiesemRegimente, seit1618, ingewissenIntervallen
immer wieder das selbe ereignet und die gleiche Situation ergeben, –
immerdieWiederkehreinesbestimmtenMotivs,wieetwa ingewissen
Familien. Denn auch das Regiment ist, im Sinne der Überlieferung, eine
Art vonFamilie.Dochsind–oderwaren–dasunbestimmteGedanken,
und ichkannnochnicht sagen,obdieganzeGeschichtenotwendigwäre
oder überhaupt hineinpassen würde. Ich prüfe das | Manuskript aber
auch noch aus einem andern Gesichtswinkel. Abgesehen davon nämlich,
daßessoundsovielePassagenhat,dieeinerkünstlerischenVerstärkung
und Belebung noch bedürfen, halte ich die Handlung des Romans für
soumfangreich,dass sie, beidergegenwärtigenLängedesBuches, zu
gedrängt ist. Der Umfang müßte also, wahrscheinlich, erweitert werden,
damit das Einzelne mehr Platz zur Entwicklung bekomme. Es ist das
gewissermaßen, als würde ein Wald, dessen Bäume zu dicht stehen,
weiter auseinandergepflanzt werden. Aber auch dies ist vorläufig nur
eine Vorstellung, von der ich nicht weiß, ob sie zu Recht besteht. Ich
mußüberdemManuskript einfach „verweilen“.
Ich hoffe, dazu Zeit und Gelegenheit zu haben. Vielleicht wirst Du
nunauchverstehen,wasgemeint ist,wenn ich sage,dassmirdieeigene
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik