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3 Briefe
Duschreibst, m.H., ich schriebe so selten. Nun, ich rechne wirklich
damit, dasswirunsbald sehen.Und ichhabeeinegroßeArbeithinter
mich gebracht: ich habe das MS der Beiden Sizilien für die Drucklegung
eingerichtet. Und ich muß immer sehr viel herumfahren, und das Ge-
ringste braucht hier sehr viel Zeit, und alles macht Schwierigkeiten. Wie
ichüberhauptmitall demfertigwürde,wenn ichvielDiensthätte,weiß
ichgarnicht.
Mein Brieferl wirst Du in Wien vorgefunden haben. Ich habe mir
fürSamstagnachm.eineFlugkartegenommen,–hoffentlichkann ich
sie auch benützen und muß sie nicht zurückgeben, d. h.: hoffentlich
funktioniert alles rechtzeitig und zögert sich nicht hinaus. Nun, wir
wollenaufdasBestegefasst sein.
MeinHase,wenn ichauch jetztnurwenigeTage inWienbin, sobin
ich doch, wenn ich aus Italien zurückkomme, wieder eine Zeit in Wien,
und ich freue mich schon so sehr darauf. Und überhaupt hoffe ich, daß
der ganze Krieg gar nicht mehr so lange dauert. Dann werde ich sehr
glücklich sein. |
Ist es nicht arg, dass es bei Euch schon wieder geschneit hat? Es
ist in Wahrheit der Fimbul-Winter gekommen, und ich glaube, es ist
garnichtklar,wasdieMenschen imnächstenJahressenwerden.Hier
sind auch kaum erst die Blätter herausgekommen, die Welt-Uhr geht in
Unordnung.
IchhabeeinenkleinenHautausschlag,deraber schonwiederbesser
wird, – auf jeden Fall gehe ich heute nachmittags zu Benn, der ja ein
Hautarzt ist, damit er’s ansieht. Am Abend bin ich bei der Dame aus
Japaneingeladen,daswirdwiedereine rechtanstrengendeSchreierei
werden.
IchhabeimmergroßeMühe,allemeineAngelegenheitenzubetreiben,
das erfordert sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit. Aber wenn man etwas
vernachlässigt und wenn es in Unordnung gerät, so geht es gar nicht.
Manmußschonrechtaufpassen.
IchhabeeinpaarganzguteZigarettenbekommen,undmitdemEssen
gehtesauchan.DiePia schreibt jetzthoffentlich schondasGedichtbuch
ab,dawird sichderHaseaber freuen,wennereinExemplarkriegt.
Nun,meinHase,haltemirnur recht sehrdieDaumen!
DasLiebsteundSchönste!
P.S.WährendDu imJunidieReisemachst,will ichhier sein, ichhabe
mirdas soeingeteilt.
Berlin,
194
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik