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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
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3 Briefe inBerlinundhabe sogutwienichtsgetan. Ichhabe, alsErgänzungzu dem Gedichtband, kaum eine Zeile geschrieben, die Bedeutung hat, – ich habe also, gut und ganz, diese zwei Monate verloren. Ich sehe, zum mindesten, keinen Vorteil, den sie mir könnten gebracht haben, wie, z.B., viel unangenehmere Situationen welche viel fruchtbarer gewesen sind, –etwaderPolenfeldzug. Ichwunderemich,wasetwadieandernLeutehier inBerlineigentlich tun. Ich weiß nicht, ob sie hier das führen, was man ein Leben nennt, oderobsiebloßdaraufwarten,dasses späterwird.Wozuaber,undwas habensiedavon? Es ist einbißchenschwer, sichvorzustellen,dassman,wennderKrieg noch ein Jahr oder anderthalb Jahre dauert, immerzu so weiterzuleben hätte, –abgesehendavon,dass esdannnatürlicheineMengevonVerän- derungenandrerArt gäbe,unddassvoneinemsolchen„Weiterleben“ also dann doch wiederum nicht die Rede wäre. Aber möglich wär’s immerhin. Und dann täte dem Hasen niemand an der Pfote | führen, wasdochaußerordentlichwichtig ist. Nun, wir wollen nicht vergessen, dass eben zwischendurch mit den Urlauben zu rechnen ist. Bitte sei so lieb und verständige Sándor und Lisa von den Veränderungen der Projekte, wie ich es Dir mitgeteilt habe. Weiß Gott, warum immer ich es von uns allen am schwersten und unangenehmstenhabe!Aberwennes schoneinervonuns seinmuß,der etwasdergleichenauf sichnimmt, sonehme ich’s inGottesNamenauf mich. Heute ist der Tag halb bedeckt, windig und ziemlich warm. Vielleicht wäre es jetzt ganz hübsch auf dem Lande. Halb auf dem Land kann maneszwarauchhier imGrunewaldnennen.UndderWindwehtum das Haus wie in St.Wolfgang an einem stürmischen Tag. Aber es ist doch etwas ganz andres, und ich frage mich, warum ich hier bin. Du weißt, dass ich die Schuld an allem Schicksal der eigenen Persönlichkeit gebe. Vielleicht, weil nur aus Defekten Korrekturen der Defekte und das Richtige entspringt [sic!], – vielleicht soll ich durch das alles zu einer Korrekturgebrachtwerden.Aberes ist alles soundeutlich,dass ichnicht weiß,wohines soll. Ich mache mir auch ernsthafte Gedanken, Dich so lange doch nicht alleinlassen zu sollen, und ich unternehme, was ich kann, um diesem lächerlichenZustandeinEndezubereiten.DiemeistenmeinerVersuche scheiternzwaraneinermerkwürdigenUnbestimmtheitundPlanlosig- keit der Leute, mit denen ich’s zu tun habe. Vielleicht sollte ich etwas 196
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Title
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Subtitle
Briefe 1938-1945
Author
Christopher Dietz
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
468
Categories
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