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3.5 Briefe1942
fortwährend beschäftigen ... Nun schön: ein Durchfall wäre mir wegen
meiner weiteren Projekte unbequem gewesen. So, wie’s ausgegangen
ist, ist’s für allesZukünftigegut.
MitdenLeutenvonderBavariahabeichgesternundheuteausführlich
gesprochen. Sie haben auch bei jener Stelle angefragt, welche meine
Beurlaubungzupro=|pagierenhat, underfahren,daßdieSache, sehr
befürwortet, schonanmeinenVorgesetztengeleitetwordensei.Hoffen
wir alsoauf einevernünftigeLösung.
Hier ist’s regnerischundziemlichkühl,das istmirangenehm,denn
sehrpeinlichwäreesmir,wennesheißwäre.Mir istnur leid,daß ich
fürchtenmuß,daß Ihr inGasteingleichfalls kein schönesWetterhabt,
ja daß es kalt ist und daß es die Berge herunterschneit. Hoffentlich habt
Ihr’s sonst gut getroffen. Die Leute, die in Gastein gewesen sind und die
manhier spricht, tunnicht sehrentzückt.
Emil hat mir geschrieben, daß er am 24. kommen will. Er muß ir-
gendwelcheNachaufnahmen fürdenBismarck-Filmmachenundsich,
zudiesemZweck,wiederdieHaare scheeren[sic!] lassen.
Nun, ichwollte, ichwäreschonwieder fort.HierwirddieStadt immer
stiller, unddas istmir lieber, alsdaßsie lärmendwäre. IchhabevielZeit
fürmich, aberdasnütztmirnichts.Dennhierhabe ichnochnieeinen
Einfall gehabtundwerdewohlauchkeinenhaben. |
Ich lese wieder im Nachsommer. Es ist erstaunlich, daß Stifter das
Buch inLinzgeschriebenhat.Oberesaberüberhaupthätte schreiben
können, wäre er in Berlin gewesen? Und es gäbe doch über so vieles
etwas zu sagen. Aber hier fliegen alle Gedanken davon. Man kann in
Wien, auchwennmangarnichts zu tunhat, aufdenGassenherumge-
henundkommtaufdiesenoder jenenGedanken.Aberhierwüßte ich
nicht,woranmandenkensollte.Es spielt sichalles ineiner sonderbar
ausgeschalteten Zeit ab. Es ist mir jetzt vollkommen begreiflich, daß die
Deutschen immerzu reisen wollen. Vielleicht leben sie gar nicht wirklich
hier, sondern sie lebenvonderZeit, die sie anderswowaren. –
Zu essen gibt’s nicht allzu viel Erfreuliches. Es bleibt sich zwar im
allgemeinen gleich, nur was drum herum ist, wird immer weniger, zum
BeispielGetränkeunddergleichen.
Hast Du das Peperchen und den Wunderer schon getroffen? Wenn Du
sie siehst, sogrüße sieherzlichvonmir.
Heute abends bin ich bei den Vollbachs eingeladen, | und es heißt,
ich kriege eine Hummermayonnaise. Vielleicht gehe ich, vorher, auch
nochauf einenSprungzuBenn,derauchdort inderNähewohnt.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik