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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
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6.2 „DergeboreneVerleger“:MarkusStein,derGroßvater Einen weiteren wichtigen Assimilationsschritt vollzog Markus bereits, nachdemernachWiengekommenwar:Ergabseinen jüdischenGlau- ben auf und konvertierte. Am 24. September 1885 trat er gemeinsam mit seinerTochterPaulazumevangelischenGlaubenH.B.über.48 Ihm vorangegangen war sein damals vierzehnjähriger Sohn Richard (7. Sep- tember), nach weiteren vier Monaten folgten Nanette und die Kinder Helene, Emma und Erwin.49 Warum Richard sich als Erster hatte taufen lassen, ist nicht bekannt. Es kann gemutmaßt werden, dass er es war, dem die Konversion am erstrebenswertesten erschien. Markus Stein hatte seinJudentumwohl stetsmehrzurKenntnisgenommenals the- matisiert; alsAngestellter einesLeipzigerVerlegerswaren ihmbei seiner Ansiedlung in Wien wohl auch keine nennenswerten Hindernisse entge- gengestanden.Derzwarnoch inBöhmengeborene, seit seinemsechsten Lebensjahr jedoch ganz in Wien sozialisierte, ehrgeizige „Obergymna- siast“50 Richard hingegen mag seine jüdische Abstammung als Makel undesdaherals erstrebenswert empfundenhaben, siedurchdenÜber- tritt gleichsam abzulegen – und das zum frühestmöglichen Zeitpunkt.51 Wares seinAssimilationseifer, derdie restlicheFamilie „mitzog“?Oder erfolgte seine frühe Konversion in Vorbereitung des nächsten großen familienpolitischenSchritts, seinerHeiratmiteinerDeutschen?Taufpate Richardswar jedenfallsRobert JuliusKlinkhardt,derVater seiner spä- teren(evangelischen)FrauFriedaund„Chef“ seinesVatersMarkus.52 Für eine angestrebte Verfestigung der Bindungen zum Leipziger Mut- terhaus sprächeauch,dassdieFamilieSteinnicht etwa–wie runddie Hälfte aller jüdischen Konvertiten Wiens – den katholischen Glauben 48 Taufmatriken (imWeiteren:TM) HBStadt 1885/09/24, zit. nach Staudacher: Jüdisch- protestantischeKonvertiten inWien1782–1914.Teil 2, S.96. 49 „‚Obergymnasiast‘ (ÜbProtHBStadt1885/071)undTMHBStadt1885/09/07:Richard Stein;TMHBStadt1885/09/24:MarkusStein (Vater),mit seinerTochterPaula;TM HB Stadt 1886/01/19: Nanette Stein, geb. Reik (Mutter), mit ihren drei Kindern Erwin, HeleneundEmma“(ebd., S.96FN172).TaufpateNanettesundderdreiKinderwar einDr.Karl Frühwald, „Landesgerichtsadjunkt“ (siehe ebd., S.695FN686). 50 Richardbesuchte (wieauchseinSohnRobert)dasnahederelterlichenWohnungam Beethovenplatzgelegene, liberal geprägte „AkademischeGymnasium“,dasu.a. auch Arthur Schnitzler, Peter Altenberg, Hugo von Hofmannsthal und Otto Wagner zu seinen Absolventenzählt. 51 Gemäßder interkonfessionellenGesetzewareinReligionswechsel zwischendem7.und dem14.Lebensjahrnichtmöglich (vgl. Staudacher: Jüdisch-protestantischeKonvertiten in Wien 1782–1914. Teil 2, S.94). Kinder unter sieben Jahren folgten daher den Eltern; ab14wardie freieEntscheidungmöglich. 52 ÜbProtHBStadt1885/071(zit. nach ebd., S.96FN172). 347
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Title
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Subtitle
Briefe 1938-1945
Author
Christopher Dietz
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
468
Categories
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