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6.2 „DergeboreneVerleger“:MarkusStein,derGroßvater
eigeneAutorentätigkeit legteMarkusSteinnunnieder: „Daßerdabei
auf Honorareinkünfte verzichten mußte, störte ihn nicht. Er wußte,
daĂź er dem Buch nunmehr in seiner neuen Eigenschaft als Verleger
viel mehr nĂĽtzen wĂĽrde, wenn er die Bearbeitung neuen, berufenen
Händen anvertraute.“66 Aus diesem Projekt ging die lange und weit
verbreitete Willomitzer’sche Sprachlehre67 hervor, die über Jahrzehnte
festerBestandteil desManz’schenVerlagsprogrammssein sollte.68
Markus Stein ĂĽbersiedelte von der Hegelgasse an den Kohlmarkt 7,69
wosichdieManz’scheVerlags-undUniversitätsbuchhandlungbefand,
und führte von dort aus die Geschäfte des prosperierenden Hauses.
FĂĽr seinverlegerischesGeschick spricht, dass erdiebereits in zwanzig
Bänden vorliegende Manz’sche Taschenausgabe der österreichischen
Gesetze weiterfĂĽhrte und wesentlich verbesserte, indem er fĂĽr jeden
Band (und jedes Rechtsgebiet) Spezialisten als Autoren gewann.70 Aber
auch literarischeWerkenahmderderDichtungzugeneigteVerleger in
sein Programm auf, darunter Hofmannsthals viel gerĂĽhmten Erstling
Gestern,71 Daniel Spitzers Feuilletonsammlung Wiener Spaziergänge72
unddieTheater-Schriftendes JuristenundBurgtheater-DirektorsMax
Burckhardt.73
Die Geschäfte liefen so gut, dass Markus Stein am Kohlmarkt 20 (heu-
te16)einnochganz imHistorismusgehaltenesStadthausbeauftragen
konnte, indessenErdgeschossdieVerlagsbuchhandlung residieren soll-
66 R.Stein:Festrede100JahreManz,S.6.
67 „EswurdendazunamhafteösterreichischeSchulmännerwieWillomitzer,Bechtel, Pen-
nerstorfer, Kummer, Stejskal u.a. gewonnen“ (Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche
Buchdrucker, S.550).
68 „Dererste,ganzgroßeVerlagserfolgwardienochheute,nach fast80Jahrenbestehende
Willomitzersche Sprachlehre für Mittelschulen“ (R. Stein: Festrede 100 Jahre Manz,
S.5).
69 HeuteKohlmarkt6, anderEckezurWallnerstraĂźe.
70 Zu ihnen zählten u.a. Josef Krainz (1821–1875), Leopold Pfaff (1837–1914), Armin
Ehrenzweig (1864–1935), JuliusGlaser (1831–1885), JosephUnger (1828–1913)und
FranzKlein(1854–1926),vgl.Mumelter:DieGeschichtedesVerlagshausesManz,Anhang
7: „AuswahlbekannterVerlagsautorenunterMarkusStein“ (S.234ff.).
71 Die„Studie ineinemAkt“erschien1891unterdemPseudonymTheophilMorrenbereits
in der Modernen Rundschau, 1892 dann bei Manz (vgl. auch J. Mentschl: Eintrag „Stein
Markus,Verleger“. In:ÖsterreichischesBiographisches Lexikon1815–1950. Bd.13[60.
Lieferung: Staudigl–Stich (2008)]. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften2003–2009,S.154–155,hierS.154.)
72 1869–86, zuerst beiKlinkhardt inLeipzig,dannbeiManz.
73 Theater. 2 Bände (Kritiken, Vorträge und Aufsätze). Wien: Manz [o. J.]. Ein großer Teil
des juristischenWerksBurckhardts erschienebenfalls beiManz.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik