Page - 357 - in Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Image of the Page - 357 -
Text of the Page - 357 -
6.3 „RastlosePflichterfüllung“:RichardStein,derVater
vierte. Dort lernte der junge Mann die Tochter des Hauses, Frieda Luise
(1878–1945), kennen. Ihr widmete der 23-Jährige ein Foto, das ihn
in seinerDragoner-Uniformzeigt: „MeinerkleinenFreundinFriedazu
freundl. Andenken.“91 Drei Jahre später trat er als Gesellschafter in die
Firma ein und heiratete wenige Wochen später, am 17. September 1898,
inLeipzig seine „kleineFreundinFrieda“,Tochter einerprotestantischen
reichsdeutschenVerlegerfamilie.
Fast genau neun Monate nach der Trauung, am 30. Juni 1899, wurde
dasersteKindgeboren:derStammhalterRobert. Es folgtenachetwas
mehr als zwei Jahren der zweite Sohn Walter (2. November 1901),
knapp drei Jahre später die Tochter Maria Charlotte (6. Juni 1904) und
schließlich, am14.März1910,dasvierteund letzteKind,Edith.
OffenbarwardieGeburtEdiths „sehr schwerund fürdieGattinmit
bleibenden Folgen verbunden und von ärztlicher Seite wurde es für
ausgeschlossenerklärt, dass sie sichnocheinmalderGefahreinesWo-
chenbettes aussetzen dürfe [...]“92, woraufhin Richard, so sein Anwalt,
dieEhemitFriedanichtmehrmöglichgewesenseiunder sichander-
weitig orientieren habe müssen – „die Folge waren peinliche Auftritte
undAuseinandersetzungen“.93
DieseAuseinandersetzungenundeinegenerelleVerschiedenheitder
Charaktere (seineFrau sei „alsNorddeutschekühlundzurückhaltend“,
er selbsthingegen„durchunddurchWiener“94) führtenzurEntzweiung
der Ehepartner und schlieĂźlich zur Scheidung, die am 3. November
1921 „wegen beiderseitiger unüberwindlicher Abneigung“95, wie das
Landesgericht Wien vermerkte, erfolgte. Die strategische Motivation
der EheschlieĂźung dĂĽrfte die emotionale Seite der Beziehung zwischen
FriedaundRichardSteinĂĽberwogenhaben.
Keinen Hehl machte Richard Stein aus seiner Beziehung zu der aus
einerverarmtenpolnischenAdelsfamilie stammendenMariaLuise („Mit-
zi“) vonNewlinsky (1888–1945), ausderam24. Juli 1919–alsonoch
währendRichardsEhemitFrieda–einSohnnamensOttoRichardher-
91 FotosammlungdesSteinFA,Wien.
92 UrteilCg 1178/21 desLandesgerichts Wien, zitiert nachMumelter: DieGeschichte des
VerlagshausesManz, S.156FN423.
93 Ebd.
94 Ebd.
95 Mumelter: DieGeschichtedesVerlagshausesManz.
357
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik