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6.3 „RastlosePflichterfüllung“:RichardStein,derVater
weiter,wosieu.a. anderbuddhistischenMädchenschuleSanghamitta
inGalleunterrichtete.130
Die Lehrtätigkeit in Sri Lanka ist die letzte Spur, die Paula Kemperling
hinterlassenhat.Weder imHauptquartierderTheosophicalSociety in
Indien noch in den österreichischen und englischen Zweigstellen waren
Informationenzu ihremweiterenLebenzueruieren.PaulaKemperling
starb 73-jährig am 22. März 1952,131 der Ort ihrer Bestattung ist un-
bekannt. Auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben sind lediglich ihr
(geschiedener)MannHermannund ihrSohnNorman.
Dieam1.Mai1882geboreneEmmaStein, genannt „Emmy“,wardie
einzige der jĂĽngeren Geschwister Richards, die zeit ihres Lebens im
Familienunternehmen arbeitete: „Sie führte bis ins hohe Alter die Debi-
torenkontenderAuslieferung.“132 Dort versah sie „[...] ihreObliegen-
heiten [...]mitunermüdlicherAusdauerundgrößtemPflichteifer“.133
IhrMann,OskarAdrianvonSax(1877–1950),warebenfalls fürManz
tätig: Er betreute die Kunstbuch-Sparte.134 In jungen Jahren war Emma
sehr sportlich, sie segelte sogar135 – zur Jahrhundertwende eine für
FrauendurchausunüblicheBetätigung.
Emmas Neffe Robert Stein hat seiner Tante anlässlich ihres Todes ein
imSteinFAerhaltenes „Gedenkblatt“ gewidmet,dasnichtnurhinsicht-
lich derPorträtierten, sondern auch hinsichtlichder Rollenverteilungen
innerhalb der Familie aufschlussreich ist: Emmy, so Robert Stein, sei die
HüterindesGeistesgewesen,den ihrVaterMarkusverkörperthabe.
130 Vgl. C. Jinarajadasa: Services of Colonel Olcott for Buddhism. In: Theosophist Magazine
Feb. 1951–Oct. 1951, S. 385–393, hier S.393, und Kumari Jayawardena: The White
Woman’sOtherBurden:WesternWomenandSouthAsiaDuringBritishColonialRule.New
York–London: Routledge 1995, S.290 FN 6: „Some of the Jewish women included a
theosophist, Paula Kemperling, née Stein, a refugee from Vienna who came to Sri Lanka
around1940and taught inaBuddhist girl school [...].“
131 Brezinka: ErwinStein, S.243.
132 Mumelter: DieGeschichtedesVerlagshausesManz, S.97.
133 R.Stein:Festrede100JahreManz,S.19.
134 Vgl. Mumelter: Die Geschichte des Verlagshauses Manz, S.97, 150. Oskar von Sax war
außerdem„einbegeisterterGeigenspielervon feinstermusikalischerBildung“, soRobert
Stein (Robert Stein: Gedenkblatt für Frau Emmy von Sax [1. Mai 1882 – 23. Dezember
1969] [SteinFA]. o.D. [1969], S.3.) und ergänzte sich in dieser Hinsicht gut mit seiner
FrauEmma,„dieeineguteKlavierspieleringewesenseinmuß“und„wohlauchgesungen
haben[dürfte], denn ihreKenntnisderLiedliteraturwarerstaunlich“ (ebd., S.3f.).
135 Markus F. Stein: Persönliche Mitteilung an den Verfasser (Tonbandprotokoll). Wien.
16. Juli 2009.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik