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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
KommanditgesellschaftUllmann&Co“ inWien,wurdeaberauchdort
EndeJuli 1924„abgebaut“.187
NachdieseneherwechselhaftenBerufsanfängennahmWalter schließ-
licheineBuchdrucker-Lehreauf,diees ihmermöglichensollte, inden
väterlichen Betrieb einzusteigen. Nach absolvierter Gesellenprüfung ar-
beitete er schließlich spätestens seit August 1927 bei Manz.188 1928
verbrachteer einVolontärsjahrbeiderDruckereiPreuß inBerlin.
Das Sommerhaus in Hochrotherd, das Walter Stein 1938 gemeinsam
mit seinerSchwesterLotte erwarb,bildetedas integrativeZentrumdes
bereits erwähnten Kreises, dem zahlreiche dem Nationalsozialismus
ablehnendgegenüberstehendeFreundeangehörten.189
Sein Sohn Markus Stein beschreibt Walter Stein als „ein[en] – bei
hohemPflichtbewusstsein– lebenslustige[n], intelligente[n]Draufgän-
ger“190. Seine umfassende Bildung habe sich Walter, der ja keine Univer-
sitätbesuchthatte, indensiebenKriegsjahren, indenenerzwangsläufig
nur wenig arbeitete, durch Lektüre angeeignet.191 In mancher Hinsicht
habeder leichtlebigere,humorvolleWalterdasGegenstückzuseinem
pflichtbewussten, dem Vater Richard gegenüber gehorsamen Bruder
Robert gebildet. SoverschiedendiebeidenBrüderauchgewesensein
mögen: sie waren es, die den Verlag nach dem Tod ihres Großvaters
Markus gemeinsam erfolgreich über den Zweiten Weltkrieg und das
Nazi-Regimebrachtenund ihnnach1945wiederaufbauten.
1946 heiratete der seit 1933 von seiner ersten Frau geschiedene
Walter Juliane Hudelist, genannt Liane (1910–2004), mit der er bereits
seit 1943 einen Sohn, Markus Franz Florian, hatte. 1948 kam eine
Tochter, Barbara Juliane Maria Charlotte, hinzu. Liane war Besitzerin
einer Feinkosthandlung auf der Freyung (Wien I.) und bekannt als „die
schönste Greißlerin Wiens“192. Ihr Zugang zu Lebensmitteln erleichterte
zahlreichenMitgliedernderFamilieSteindieKriegsjahreenorm. In ihrer
undWaltersObhutverbrachteFriedaStein ihre letztenTage.
Nach dem Krieg baute Walter Stein die durch Bombenschäden, vor
allem aber auch aufgrund von Materialknappheit darniederliegende
187 SoWalter ineinemBrief an seinenVater (BesitzBarbaraNetscher).
188 BarbaraNetscher:PersönlicheMitteilungandenVerfasser (E-Mail).Ronneburg.28.Feb.
2011.DorthatteerbereitsvonMärzbisJuli1921undvonMärzbisJuni1923gearbeitet.
189 Vgl.Kap.6.6.3.
190 Markus F. Stein: Persönliche Mitteilung an den Verfasser (E-Mail). Wien. 1. März 2011.
191 Markus F. Stein: Persönliche Mitteilung an den Verfasser (Tonbandprotokoll). Wien.
16. Juli 2009.
192 Meder/Eiblmayr: HausHoch, S.129(mitAbb.).
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik