Page - 385 - in Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
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6.6 MariaCharlotteStein (verh.Sweceny)
das Bild, das Helene Stein231 1914 von ihrer zehnjährigen Nichte malte,
vermittelt denEindruckeines selbstbewusstenKindes (vgl.Abb.5).
6.6.2 EheundLeben imHochhaus
Selbstbewusstsein legte Lotte Stein an den Tag, als sie – selbst für da-
malige Verhältnisse jung und gegen den Willen ihres Vaters232 – am Ste-
phanitag des Jahres 1925, also 21-jährig, mit dem um vier Jahre älteren
Industriellen-SohnundIngenieurOttoCarlAdolfSweceny(1900–1969),
genannt „O.C.“, imEvangelischenPfarramt inWien I.,Dorotheergasse
18,233 eineEheschloss, dievonBeginnanaufLiberalitätundToleranz
aufgebaut sein sollte, ja von den Eheleuten mitunter als eine Art anti-
bĂĽrgerlichesExperiment234 begriffenwurde(vgl.Kap.6.6.4).DemVater
O.C.s gehörten die Sirocco-Werke White, Child & Beney, ein 1888 ge-
grĂĽndeter,auf industrielleLufttechnikspezialisierter Industriebetrieb,235
in dem – entgegen ursprünglicher Pläne – bald auch der Sohn als Di-
rektor tätig war.236 Otto C. Sweceny – den Lotte „Peter“ oder „Peterl“
nannte – wird von ihrem Neffen Markus Stein als integrer Charakter, als
(ebd., S.108). Am Rande: Die Beziehung Lottes und Walters als Erwachsene sollte
jedenfalls immer wieder von Konflikten, insbesondere um das gemeinsame Landhaus in
Hochrotherd, geprägt sein (vgl.Kap.6.6.3).
231 ZuHeleneWinger-Steinvgl. S.367ff.
232 „Ich fordere Dich auf, Dir Deine Eheschließung mit Otto nochmals zu überlegen. –
Ich bilde mir gewiss nicht ein ihn zu kennen und sage Dir rundheraus, dass er ein
sympathischerMensch istundgewissauchsehrguteEigenschaftenbesitzt. –Aberob
Ihr zusammenpasst, auf die Dauer zusammenpasst, das ist doch eine andere Frage. –
[...] Ich ĂĽbernehme auch fĂĽr alles Weitere keine Verantwortung und wenn Du eines
Tages etwa zu mir kämest, Du wollest wieder mit ihm auseinander, so wirst Du mich
nichtanDeinerSeitefinden“ (RichardStein:Brief anMariaCharlotteStein [SteinFA].
Wien.21.Nov.1924).
233 NSDAPGauWien:„Kleiner“AbstammungsnachweisSveceny[sic!]MariaCharlotte,Zahl
71701(BesitzBarbaraNetscher,Ronneburg).Wien.3.Nov.1939. ImselbenPfarramt
warenseinerzeitMarkusSteinundseineFamiliezumevangelischenGlaubenkonvertiert
(vgl.Kap.6.2.3).
234 In seinem warnendenBrief an seine Tochter einen Monatvor derenHochzeitmit Otto
C. Sweceny hatte Richard Stein geschrieben: „Aber vor Allem [...] scheint Ihr selbst
EurenBundnicht vonvornhereinals Lebensbundaufzufassenund, einbisschenmehr
oder weniger eingestanden, Euch zu denken: ja nun, geht es nicht, so lassen wir uns
eben scheiden“ (Richard Stein: Brief an Maria Charlotte Stein [SteinFA]. Wien. 21. Nov.
1924).
235 Firmenwebsite SIROCCO Luft- und Umwelttechnik GmbH [Unternehmen/Geschichte].
URL:www.sirocco.at/sir/content.php?Page_ID=16,abgerufenam6.März2011.
236 „DerPeterl [O.C.Sweceny] ist brav.Er ist amrichtigenPosten, arbeitsmäßig, imWerk.
Eigentlichwollteer jaOrganisatoru.Wirtschaftsberater sein,das liegt ihm,wenn’sdann
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik