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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
„einganzzauberhafterMann, einblendenderGesellschafter“beschrie-
ben, allerdings habe er einen fatalen Hang zum Alkohol gehabt und sei
schließlich „daran zugrunde gegangen“.237 In den ersten Jahren ihrer
Ehe wohnte Lotte vermutlich bei ihrem Mann in XII., Wolfganggasse 30,
wodieFamilieSweceny ihrenWohnsitzhatte,238 1927übersiedelteman
in die Nibelungengasse 1–3 (Wien I.), bis das junge, kinderlose Paar
schließlich 1934 eine moderne Wohnung im neuen Hochhaus in der
Herrengasse (2.Stiege,8. Stock), in Sichtweitedes Manz-Firmensitzes
amKohlmarkt, bezog.
Die Architekten Siegfried Theiß und Hans Jaksch hatten das „erste
Hochaus Wiens“ 1931/32 errichtet. Der funktionale, subtil in die Stadt-
landschaft des Ersten Bezirks eingepasste Bau übte auf Künstler und
Intellektuelle eine große Anziehungskraft aus: Hier war komfortables
Wohnen inerstklassigerLagezuvergleichsweisegünstigenPreisenzu
haben.„DasHochhauswarWohn-undArbeitsplatzvonCabaret-Autoren,
Lyrikerinnen, Feuilletonisten und Übersetzerinnen[...]“,239 Grafikern,
Schauspielern240 usf.; wer dort, im „ersten wirklich großstädtischen
Wohnhauskomplex Wiens“, wohnte, gab damit ein „Statement“ ab.241
Ebenfalls im Hochhaus wohnten zahlreiche Freunde des Paars, etwa
derArchitektMaxFellerer242 undseineFrau,dieBühnenbildnerin Erni
Kniepert243, Milan Dubrovic244 und seine Frau Erika Kriechbaum;245
außerdemLottesBruderWalterSteinundseinePartnerinundspätere
Ehefrau Liane Hudelist (in getrennten Wohnungen). Dubrovic, Chro-
lauft [sic!], stundenfuchsen ist fad“ (MariaCharlotteSweceny:BriefkonzeptanHans
[A.Vetter] [SteinFA]. o.O. [Wien]. o.D. [Herbst1938]).
237 Markus F. Stein: Persönliche Mitteilung an den Verfasser (Tonbandprotokoll). Wien.
16. Juli 2009.OttoC.Sweceny starbam19.Oktober1969.Einen intensivenUmgang
mitNikotinundAlkoholpflegteauchLotteSweceny: „DieLottewareine sehr schöne
Frau, aber eine Frau, die Kette geraucht hat, die alles mitgemacht hat, was die Männer
mitgemacht haben, an Trinken [...]“ (ebd.). An Lernet schreibt Lotte einmal: „Ich
glaube ichbinamRandeeinerNikotinvergiftung“ (undatiertesKonzept, SteinFA).
238 SowohlOttoC. Swecenyals auch sein Vater OttoSweceny sen. (1869–1956) sinddort
indieserZeit gemeldet, vgl. Lehmann’sAllgemeinerWohnungs-Anzeiger.
239 Meder/Eiblmayr: HausHoch, S.100.
240 Ein Nachbar Walter Steins im Hochhaus war etwa Curd Jürgens (Markus F. Stein:
PersönlicheMitteilungandenVerfasser [Tonbandprotokoll].Wien.16. Juli 2009).
241 Meder/Eiblmayr: HausHoch, S.91.
242 Vgl. S.229,Anm.zuMax.
243 Vgl. ebd.
244 Vgl. S.259,Anm.zuDieMilan-Sache.
245 Dubrovic war allerdings in der Gentzgasse 56 (Wien XVIII.) hauptgemeldet (Lehmann’s
AllgemeinerWohnungs-Anzeiger)
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik